Wirtschaft : SOS-Rufe in London

LONDON (egl/HB).Der Kosovo-Krieg und seine politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen überschatten die Jahrestagung der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD).Schon jetzt hätten die Auswirkungen des Krieges im Kosovo alle wirtschaftlichen Voraussagen über den Haufen geworfen, warnt Nicholas Stern, der Chefökonom der Bank und Koordinator des zum Wochenende in London vorgelegten "Transition Report".Allerdings relativiert Stern: "Für die Reformländer Mittel- und Osteuropas insgesamt zeichnen sich bisher nur geringe Schäden durch den Krieg im Kosovo ab".

Es überrascht nicht, daß vor allem die von der Flüchtlingswelle aus dem Kosovo betroffenen Anrainerstaaten wie Albanien und Mazedonien den Londoner Osteuropabank-Gipfel dazu nutzen, vor den Vertretern der 58 Mitgliedstaaten und aller wichtigen Finanzinstitutionen ihre dringenden Hilfsappelle zu artikulieren.Besonders laut und deutlich waren Albaniens SOS-Rufe an die internationalen Geber.Die von der EU in Aussicht gestellten 100 Mill.Dollar sowie die von der Weltbank angekündigte Hilfe von weiteren 30 Mill.Dollar reichen nach Ansicht von Ermelinda Meksi, der albanischen Ministerin für Wirtschaftskooperation und Handel, bei weitem nicht aus.Die Regierung in Tirana setze die unmittelbaren Kosten für die im Lande versorgten 300 000 Flüchtlinge aus dem Kosovo mit 220 Mill.Dollar an.Die Regierung benötige Budgethilfen von 600 Mill.Dollar.

Trotz der schweren Beeinträchtigung der albanischen Wirtschaft hofft Albanien weiter auf eine Wachstumsrate von 10 Prozent, so Meksi.Albaniens Auslandsinvestitionen, die im zurückliegenden Jahr von einem Tief im Jahr 1997 wieder auf 95 Mill.Dollar gestiegen seien, dürften in diesem Jahr trotz Kosovo-Krieg die 100-Mill.-Dollar-Marke überschreiten.

Wenn auch die Osteuropabank, so der für den Balkan zuständige Direktor Oliver Descamps, zur Bereitstellung von Zahlungsbilanzhilfen und humanitäre Hilfen nicht ausgerüstet sei, würde auf der Jahrestagung gleichwohl über Hilfen für Albanien und andere betroffene Balkanländer beraten.Stevo Crvenkovski, Mazedoniens Botschafter in Großbritannien, geht von schweren Einbrüchen im Außenhandel und bei den Investitionen auch in solchen Reformländern wie Bulgarien, Rumänien und Ungarn aus.So müsse Bulgarien die Hälfte seiner Exportgüter über Serbien transportieren.Zerstörte Brücken über die Donau und westliche Bombardierungen dürften verheerende Auswirkungen auf den Außenhandel der Anrainerstaaten Jugoslawiens haben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben