Wirtschaft : Southern denkt noch nach

ROBERT RIMSCHA[WASHINGTON]

US-Konzern: Bewag-Kauf muß sich für unsere Aktionäre auszahlenVON ROBERT VON RIMSCHA, WASHINGTON

Als Wappentier bedient sich die "Southern Company" eines imposanten, acht Zentner schweren Gorillas aus dem Zoo von Atlanta.Auf dem Umschlag des Firmenprospekts sitzt der Graunacken grüblerisch in der Pose von Rodins Denker.Southern Company, Amerikas größtes Stromunternehmen, zerbricht sich derzeit den Kopf, ob man die Berliner Bewag kaufen soll.Es wäre das erste amerikanische Groß-Engagement auf dem deutschen Elektrizitäts-Markt. Die offiziellen Statements zum Stand der Verhandlungen sind dürr."Wir hatten eine Reihe von Gesprächen", sagt Firmensprecher Chuck Griffin.Man sei dabei sehr weit gekommen, doch nun müsse zunächst der Vorstand die Verhandlungsergebnisse prüfen.Und dann folgt eine interessante Festlegung: "Ein Kauf kommt nicht in Frage, wenn er nicht im Interesse der Aktionäre von Southern Company den Gewinn erhöht." Der Energiekonzern aus Atlanta/ Georgia ist ein Neuling auf dem internationalem Parkett.Southern Company wuchs innerhalb weniger Jahre aus der Rolle des regionalen Unternehmens im "Neuen Süden" heraus und katapultierte sich in die Liga der US-Riesen ­ dann auf weltweites Terrain.1993 wurde auf den Bahamas und in Argentinien gekauft, 1994 in Chile und auf Trinidad und Tobago.1995 wurde der britische Stromversorger SWEB für 1,8 Mrd.Dollar übernommen.Derzeit wird mit mehreren asiatischen Unternehmen abgeschlossen. Southern Company betreibt parallel eine landesweite Imagekampagne."Energie, die unserer Welt dient" ist der Slogan.Mit ihm macht sich Southern Company bereit für die nahe Zukunft, wenn der Markt in den wichtigen amerikanischen Regionen Neuengland und Kalifornien dereguliert wird.Southern-Chef A.W.Dahlberg, genannt Bill, hat selbst eine ähnlich beachtliche Karriere hinter sich wie sein Unternehmen.1960 fing er als Installateur von Zählern bei "Georgia Power" an.Über den Posten des Finanzvorstandes kam er schließlich 1985 an die Konzernspitze der Service-Tochter.Seit März 1995 ist er Präsident, Vorstandsvorsitzender und Hauptgeschäftsführer von Southern.Die Koppelung der Tätigkeiten als "president", "CEO" und "chairman" ist das Optimum, was in einem amerikanischen Konzern an Machtfülle erreicht werden kann. Die Firmengeschichte von Southern Company reicht zurück in die 20er Jahre.Damals schlossen sich die Stromlieferer von vier Bundesstaaten im Südwesten der USA zusammen.Heute versorgt Southern Company 3,6 Mill.Haushalte in Alabama, Georgia, Florida und Mississippi.Die Aktien gehören zu den 20 meistverbreiteten der USA.226 000 Aktionäre besitzen die 670 Mill.Papiere.Mit Aktiva von 30 Mrd.Dollar, jährlichen Einnahmen von 10 Mrd.Dollar, einem Gewinn von gut einer Mrd.Dollar und einer Dividende von 1,26 Dollar (nach 1,22 im Vorjahr) gilt das Unternehmen als solide und stattlich.Es expandiert vor allem durch Käufe.2003, so hat Dahlberg gerade gesagt, will sein Unternehmen 30 Prozent seines Umsatzes in nicht-traditionellen Bereichen machen.Dazu gehört zum Beispiel der Mobilfunk.Doch Dahlberg wird vorsichtiger: "Wir haben keine spezifischen Wünsche, zusätzliche Dollar zu investieren", sagte er kürzlich.Und als Maßstab künftiger Aquisitionen erklärte er, daß nur in Frage komme, was "Gewinnpotentiale ohne signifikante, kurzfristige Ablenkungen" habe. Ob die Bewag Gewinn verspricht oder eher als Ablenkung zu werten ist, darüber berät Dahlberg gegenwärtig mit seinem Vorstand.Als Leitlinie dient ihm der Firmen-Gorilla."Die Umwelt der Gorillas hat sich dramatisch verändert.Die größten, stärksten und gescheitesten nutzen die Chancen des Wandels.Unsere Umwelt hat sich auch dramatisch verändert", so Dahlberg."Und wir sind die größten, stärksten und gescheitesten.Wir werden uns unsere Bananen schon pflücken."

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