Wirtschaft : Soziale Unsicherheit in den USA

Aus dem Wall Street Journal<br><br>übersetzt

Als Präsidentschaftskandidat legte George W. Bush großes Gewicht auf das Thema Rente - und wurde trotzdem gewählt. Deshalb nahmen wir an, er werde für die Reform des Systems sorgen. Es scheint, wir waren zu optimistisch. Von der Kommission des Präsidenten zur Sozialen Sicherheit wurden nun drei Optionen vorgelegt, die alle die Forderung von Bush umsetzen, neue freiwillige Pensionskonten zu bilden. Bei der ersten Möglichkeit sollen die Menschen zwei Prozent ihrer Lohnsteuer auf solch ein Konto einzahlen. Bei der zweiten könnten Arbeiter vier Prozent ihrer Lohnsteuer bis zu einem Höchstbetrag von 1000 Dollar einzahlen. Außerdem sollen bei dieser Option die Rentensteigerungen an die Inflationsrate und nicht mehr an die Lohnsteigerungen gebunden werden. Die dritte Möglichkeit ist so kompliziert, dass wir nicht sicher sind, sie richtig verstanden zu haben.

Da die Kommission zwischen den drei nicht entscheiden kann, helfen wir gern. Die dritte kann direkt vergessen werden; sie ist zu kompliziert, um in einer Demokratie zu bestehen. Die erste Option hat den Charme, sehr einfach zu sein und kaum Widerstände zu erzeugen. Wenigstens etabliert sie das Prinzip der persönlichen Vorsorge, auch wenn es die Zahlungsfähigkeit des Systems insgesamt kaum gewährleistet. Also bleibt nur die zweite Option, mit der mehr Geld auf persönliche Konten transferiert wird; das System ist schneller zahlungsfähig und weniger abhängig von Transfers aus Steuereinnahmen, die nicht aus der Lohnsteuer stammen. Außerdem wird die Kapitalbildung bei niederen Lohngruppen besonders gefördert. Zurzeit ist das Rentensystem nur ein Lohntransfer, in dem die Beschäftigten die aktuellen Rentner finanzieren. Und dabei besitzen sie für die Zukunft keine rechtlichen Ansprüche, sondern sind von den kommenden Politikern abhängig. Das ist gefährlich, da das System auf lange Sicht zu einem Viertel unterfinanziert ist. Da das Rentensystem voraussichtlich in 14 Jahren in die roten Zahlen rutscht, ist die Rentenreform dringlich. Die Amerikaner wollen über ihre Altervorsorge zunehmend selbst entscheiden. Und deshalb konnte Bush darauf den Wahlkampf aufbauen und gewinnen. Es wär eine Schande, wenn dieses Mandat zur Reform einfach fortgeworfen würde.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben