Wirtschaft : Spätes Geständnis

Hans-Jürgen Uhl wird in der VW-Affäre verurteilt

Jan Keuchel (HB)

Wolfsburg - Er ist, nach Auffassung der Staatsanwälte, nur Nutznießer der Affäre gewesen. Gekocht und aufgetischt haben andere die Suppe. Doch die wenigen Löffel, die Hans-Jürgen Uhl genossen hat, dürften ihm nun den Rest seines Lebens vergiften. Weil er lange Zeit geleugnet hat, was längst in allen Zeitungen stand. Dass er, der damalige VW-Betriebsrat und SPD-Bundestagsabgeordnete, auf Kosten des Autobauers an Sex-Partys teilnahm.

Vor allem deshalb haben sich am Donnerstag vor dem Wolfsburger Amtsgericht schon früh Zuschauer und Journalisten eingefunden. Das Interesse ist groß. Rund 1500 Euro sollen Uhls Eskapaden VW zwar nur gekostet haben, während der bereits verurteilte Ex-Personalvorstand Peter Hartz dem Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert illegal Millionen zuschusterte. Aber lange Zeit sah es so aus, als werde Uhl auch im Prozess seine Unschuld beteuern. Und dann hätte es Zeuginnen gebraucht. Damen wie Frau L., 29, aus Russland. Oder Frau J., die für ihre Kunden schwarze Masken trägt. Doch Hans-Jürgen Uhl schafft es allein. Geldstrafe, 39 200 Euro, heißt es am Ende.

VW-Affäre, zweiter Teil: Erneut geht es um Korruption. Nach der Verurteilung von Hartz dreht sich das zweite Verfahren nun um Veranstaltungen in Barcelona und Seoul 2001. Damals sollen auf VW-Kosten Prostituierte herangekarrt worden sein, für die Betriebsräte. „Dienstfremde Veranstaltungen“ hat Staatsanwältin Hildegard Wolf diese Partys im Vorfeld genannt. Jetzt verliest die bissige Anklägerin die Anklageschrift und formuliert weniger abstrakt: Um „Vergnügungen mit Prostituierten“ sei es gegangen – und Uhl, von 1990 bis 2006 Geschäftsführer des VW-Betriebsrats, war dabei.

Bezahlt habe VW, ergo habe Uhl bei der Veruntreuung der Firmengelder geholfen. Dass das dem Autokonzern im Gegenzug Vorteile brachte, milde gestimmte Arbeitnehmervertreter, ist nicht erwiesen. Aber gemeinsame Puffgänge machen meist vertraut – und nicht selten abhängig. Außerdem soll der 55-jährige Uhl fünf falsche eidesstattliche Versicherung abgegeben haben. Weil er eidesstattlich versicherte, niemals an solchen „Veranstaltungen“ teilgenommen zu haben.

Heute stellt sich ihm alles anders dar. Schon vor zwei Wochen hatte Uhl nach beharrlichem Leugnen eingeräumt, dass er gelogen hat. Er hat sein Bundestagsmandat niedergelegt, ist aus der SPD und der IG Metall ausgetreten. Am Donnerstag, um 9 Uhr 45, schaut er auf das Blatt Papier vor sich und liest: „Ja, es trifft zu.“ Bei VW habe damals eine Atmosphäre geherrscht, „in der ich die Bodenhaftung verloren habe“. Er begründet sein Leugnen mit Karrieregier und Schwäche.

Klaus-Joachim Gebauer wird Uhl später noch belasten. Er schildert die Details der Affäre schlüpfrig, süffig, schnoddrig. Und er nennt Namen. Auch den des SPD-Landtagsabgeordneten Günther Lenz, gegen den die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt. Er soll wie Uhl an Sex-Partys teilgenommen haben.

Um 11 Uhr 30 können die Zuschauer erleben, wie schnell ein Strafverfahren zu Ende gehen kann. Auch wenn das Plädoyer der Staatsanwältin quälend lang wird. Um 13 Uhr beendet Richter Dickhuth den Prozess: Das Urteil: 280 Tagessätze à 140 Euro. Uhl steht vor den Scherben seiner Existenz. Jan Keuchel (HB)

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