Wirtschaft : Spätfolgen der Finanzkrisen von 1997/98 belasten die Wirtschaften der Dritte-Welt-Länder immer noch

sha

Die weltweiten Finanzkrisen von 1997/98 wirken auch im kommenden Jahrtausend nach und drücken das Produktionsniveau der Entwicklungsländer. Sie erholen sich nur langsam und ungleichmäßig. Das Wachstum der Entwicklungsländer wird sich im Jahr 2000 zwar auf 4,2 Prozent beschleunigen, die meisten Länder werden aber nicht ihre Wachstumsraten vor der Krise erreichen. Diese Zahlen nennt der Jahresbericht der Weltbank über die Perspektiven der Entwicklungsländer, der am Dienstag in Bonn vorgestellt wurde. "Man ist sich zunehmend einig, dass die internationale Gemeinschaft Mittel und Wege finden muss, um die Häufigkeit und Schwere von Wirtschaftskrisen zu reduzieren", sagte der Chefökonom der Weltbank, Joseph Stiglitz. Damit könne die positive Wirkung des Wachstums, die mit der Öffnung der Märkte einher gehen kann, maximiert werden. Die Auswirkungen der Krise werden dem Bericht zufolge in den kommenden Jahren zwar abnehmen. Die Kapitalflüsse würden sich aber erst nach einiger Zeit wieder erholen. Außerdem habe die Krise ernsthafte strukturelle Schwächen - vor allem der Finanzsysteme und der öffentlichen Haushalte - aufgedeckt und in einigen Fällen sogar verstärkt. In diesem Jahr werde das Pro-Kopf-Einkommen in den Entwicklungsländern außerhalb Asiens sogar sinken. Von 2002 bis 2008 würden die Entwicklungsländer dann aber sogar mit durchschnittlich fünf Prozent schneller wachsen als die Industrieländer.

Trotz des zyklischen Aufschwungs in Ostasien sieht die Weltbank weiterhin ernste strukturelle Probleme in der Region. Der Wert der nicht bedienten Kredite reiche bis zu 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (Thailand) und liege damit weit über den Werten aus früheren Krisen. Die ohnehin geschwächten Unternehmen würden ihre Probleme vergrößern, indem sie noch mehr Geld aufnehmen, um die Zinsen für Alt-Schulden zu zahlen. Über ein Viertel aller an der Börse notierten Unternehmen in Südkorea, Malaysia und Thailand sei nicht mehr in der Lage, die Schulden zu bedienen. Das bremse die Investitionen. 1998 habe die Krise sowohl in den südostasiatischen Krisenländern als auch in Russland die Armut erhöht. Die meisten Entwicklungsländer werden das internationale Ziel nach Einschätzung der Weltbank nicht erreichen: Bis zum Jahr 2015 wird die Armut wohl nicht auf die Hälfte reduziert werden. Ost- und Südostasien hätten am ehesten die Chance. Auch in Osteuropa und Zentralasien sowie im Nahen Osten und Nordafrika könne die Armut gesenkt werden.

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