Spanien : Hochgeschwindigkeitszug verbindet Madrid und Valencia

Mitten in der Schuldenkrise hat Spanien eine Superschnellzugstrecke zwischen der spanischen Hauptstadt und der Küstenmetropole Valencia eröffnet. Das Projekt kostete den klammen Staat gut 6 Milliarden Euro.

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Prinzessin Letizia bei der Einweihung des neuen Hochgeschwindigkeitszuges. Foto: dpa
Prinzessin Letizia bei der Einweihung des neuen Hochgeschwindigkeitszuges. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Spanien hat ein gigantisches Milliardenprojekt voller Stolz fertiggestellt. Die Hauptstadt Madrid hat den Mittelmeerstrand nun fast vor der Tür. In eineinhalb Stunden rast der AVE-Hochgeschwindigkeitszug seit Sonntag regulär von der Drei-Millionen-Einwohner-Stadt Madrid zum 354 Kilometer entfernten Bahnhof der Küstenmetropole Valencia, in der Spitze mit 330 Kilometern pro Stunde. „Ich bin stolz auf dieses Werk“, sagte Spaniens König Juan Carlos, der die Strecke am Samstag zusammen mit Königin Sofia eröffnete. „Das ist ein Meilenstein.“ Spanien blicke auch in der momentanen Krisenzeit selbstbewusst nach vorn.

Mit der neuen Superschnellzugtrasse habe Spanien das größte Hochgeschwindigkeitsnetz Europas, triumphierte Verkehrsminister José Blanco an der Seite von Spaniens Regierungschef José Luis Zapatero. Die beiden freuten sich sichtlich, dass sie nach Monaten vieler wirtschaftlicher Hiobsbotschaften aus ihrem Land, das mit einer tiefen Finanzkrise kämpft, endlich mal aufmunternde Botschaften verbreiten können. Das sei ein Tag „um das Selbstvertrauen zu stärken”, sagte Zapatero, „um der Welt zu beweisen, dass Spanien ein erfolgreiches Land ist“.

Gut sechs Milliarden Euro hat Spanien in diese Strecke investiert, etwa ein Drittel davon hat die Europäische Union bezahlt. Genauso wie der gesamte Bau des knapp 2700 Schienenkilometer messenden AVE-Netzes in den vergangenen 20 Jahren reichlich subventioniert worden ist – und ohne Europas Strukturhilfe kaum möglich gewesen wäre. Von Madrid, dem politischen und geographischen Landeszentrum aus, fliegt der AVE in etwa zweieinhalb Stunden ins 500 Kilometer entfernte südliche Sevilla. Ähnlich schnell geht es an die Costa del Sol nach Malaga und in die 600 Kilometer entfernte Mittelmeermetropole Barcelona im Nordosten. Zugleich rollte in diesen Tagen der erste französische TGV über die spanische Grenze in den Costa- Brava-Bahnhof Figueres. Ein erster Schritt, um die Hochgeschwindigkeitsnetze Spaniens und Frankreichs zusammenzuschließen.

Der französische TGV soll einmal von Paris bis in die katalanische Metropole Barcelona rollen. Etwas mehr als 1000 Kilometer, die bisher mit dem Zug noch siebeneinhalb Stunden dauern, da die Strecke auf spanischer wie auf französischer Seite noch nicht komplett ausgebaut ist.

In Spanien sind weitere Trassen im Bau oder in der Planung: etwa in den nordwestlichen Pilgerort Santiago de Compostela, in die nördliche Baskenstadt Bilbao, in den Costa-Blanca-Hafen Alicante, nach Frankreich und nach Portugal. Gut 10 000 Schienenkilometer sollen es irgendwann einmal allein in Spanien sein. Auch wenn das Bautempo nun mangels Geld in der Staatskasse und sinkenden Zuschüssen der Europäischen Union gedrosselt werden muss.

Der AVE-Hochgeschwindigkeitszug ist in Spanien ein Erfolgsmodell: superpünktlich, bequem, lautlos. Mit Geld-zurück- Garantie, wenn die Expressbahn auf der Strecke Madrid-Sevilla mehr als fünf Minuten und auf allen anderen Routen mehr als eine halbe Stunde Verspätung hat. Von solch einem Qualitätsversprechen können Bahnreisende in anderen europäischen Ländern meist nur träumen. Kein Wunder, dass der AVE wegen seiner Zuverlässigkeit dem nationalen Flugverkehr immer mehr Passagiere abnimmt. Die Züge sind im Schnitt zu 75 Prozent ausgelastet.

Trotzdem sind nicht alle Spanier mit ihrem Vorzeige-AVE zufrieden. „Geldverschwendung“ stand auf Protestplakaten, mit denen König Juan Carlos und Ministerpräsident Zapatero in Valencia empfangen wurden. „Keine teuren Elitezüge.“ Und: „Wir fordern einen Ausbau der Regionalbahnen.“ Bürgerinitiativen und Verbraucherverbände klagen, dass Spaniens Provinz vergessen wird – und die Milliarden viel besser angelegt wären, um den regionalen Schienenverkehr zu modernisieren.

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