Wirtschaft : Spanien sonnt sich in optimistischen Prognosen

MADRID (pot/HB).Spaniens Wirtschaft zeigt sich zu Beginn der Euro-Ära gut in Schuß.Zwar hat der seit zwei Jahren anhaltende Aufschwung seinen Höhepunkt jetzt offenbar überschritten.Nach Angaben des Nationalen Statistik-Institutes (Ine) verlangsamte sich das Wachstum im 3.Quartal 1998 geringfügig auf 3,8 Prozent, nachdem im ersten Halbjahr noch ein Plus von 3,9 Prozent verzeichnet wurde.

Spanien werde zwar etwas an wirtschaftlicher Dynamik einbüßen, heißt es in Ökonomenkreisen.Doch werde das Land mit einem Wachstum von über 3 Prozent auch in diesem Jahr in der Euro-Zone sehr gut darstehen.Von dem Wachstum, das vor allem von einer kräftigen Binnennachfrage getragen werden soll, erhofft sich Madrid eine Verringerung des Wohlstandsgefälles zwischen Spanien und den Partnerländern.Nach Angaben von Wirtschafts- und Finanzminister Rodrigo Rato könnte sich das Pro-Kopf-Einkommen von derzeit 79 Prozent des EU-Niveaus auf 82 Prozent im Jahr 2002 erhöhen.Im Jahr 2006 will man sogar 90 Prozent erreichen.Damit würde Spanien den Anspruch auf Gelder aus dem umstrittenen EU-Kohäsionsfonds verlieren, der zugunsten der Mitgliedstaaten mit einem Pro-Kopf-Einkommen von unter 90 Prozent des EU-Durchschnitts eingeführt wurde.

Auch bei der Erwerbslosigkeit will sich Spanien dem Niveau der übrigen Euro-Länder annähern.Nach Schätzungen der Regierung könnten bis 2002 rund 1,3 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen - die Quote vom EU-Negativrekord von 18,7 auf 12,8 Prozent zurückgehen.

Schließlich dürfte das Wachstum auch die Sanierung der Staatsfinanzen erleichtern.Dabei ist Madrid wesentlich ehrgeiziger als etwa die Bundesregierung.Während Bonn für das Jahr 2002 noch mit einem Defizit in Höhe von 1 Prozent des BIP rechnet, peilt Spanien einen Überschuß von 0,1 Prozent an.Gleichzeitig sollen die öffentlichen Schulden von 67 auf 59 Prozent des BIP sinken.

Selbst wenn das Wachstum deutlich geringer ausfallen sollte als geschätzt, rechnet die Regierung mit einer nachhaltigen Verbesserung der Finanzlage.Ein ausgeglichener Etat sei dann zwar nicht mehr drin, aber immerhin könnten die roten Zahlen auf 0,7 Prozent des BIP verringert werden.Ökonomen halten die offizielle Sichtweise, soweit sie sich auf das laufende Jahr bezieht, allerdings für optimistisch.Die Konjunktur werde sich gegenüber dem vergangenen Jahr leicht abkühlen, heißt es.Die Großbanken rechnen mit einem Plus von 3 bis 3,5 Prozent.Die Regierung unterschätze die negativen Auswirkungen der internationalen Finanzkrise auf die Exporte.Einen Warnschuß lieferten bereits die schwachen Außenhandelszahlen der vergangenen beiden Monate: Erstmals seit langem lagen die Exportwerte niedriger als im Vorjahr.Ohnehin beruhen die Konjunkturhoffnungen der Regierung zuvorderst auf der Binnennachfrage.Tatsächlich deuten viele Indikatoren auf eine ungebrochene Kauflust der Spanier hin.So wurden im vergangenen Jahr 1,19 Mill.Pkw zugelassen - 17 Prozent mehr als im Jahr zuvor und soviele wie nie zuvor.Ferner sollen allein im Weihnachtsgeschäft fast eine Million Mobiltelefone abgesetzt worden sein.Äußerst lebhaft ist auch die Nachfrage nach Immobilien.Ein Motiv sehen Marktkenner darin, daß viele Spanier vor der Einführung des Euro Schwarzgeld waschen wollen.

Einen zusätzlichen Schub dürfte die Konsumnachfrage von der zu Jahresbeginn in Kraft getretenen Senkung der Einkommensteuer erhalten.Nach Regierungsangaben werden die Bürger im Durchschnitt um 11 Prozent entlastet.Der Gewinn an Kaufkraft für breite Bevölkerungsschichten werde sich in einem Anstieg des BIP von einem halben Prozentpunkt niederschlagen, glauben die spanischen Ökonomen.

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