Wirtschaft : Spanische Hotelkette steigt bei Tui ein WestLB verkauft ihre Anteile am Reisekonzern

Tobias Symanski

Düsseldorf - Europas größter Reisekonzern Tui hat einige neue Eigentümer. Nach monatelangen Spekulationen trennte sich die WestLB am Mittwoch überraschend schnell von ihrer Tui-Beteiligung in Höhe von 31,3 Prozent. Größter Einzelaktionär ist nun der spanische Hotelkonzern Riu, der zehn Prozent der Tui-Aktien übernahm. Tui begrüßte die Entscheidung zugunsten des langjährigen Geschäftspartners. „Mit dem erfolgreichen Verkauf des WestLB-Anteils ist für Tui eine hervorragende Lösung gefunden worden“, sagte Vorstandschef Michael Frenzel in Hannover.

Abgewickelt wurde das Geschäft mit Hilfe der Deutschen Bank. Sie kaufte das komplette Tui-Paket von der WestLB und gab 17,3 Prozent an ein spanisches Konsortium weiter. In ihm sind neben Riu auch noch die spanische Sparkasse CAM und die Hotelgruppe Grupo de Empresas vertreten; beide teilen sich 7,3 Prozent. Der vorerst bei der Deutschen Bank verbleibende 14-Prozent-Anteil soll in Kürze Investoren aus Europa und den USA angeboten werden. Wie es in Finanzkreisen hieß, soll die Deutsche Bank der WestLB knapp eine Milliarde Euro für das komplette Paket bezahlt haben.

Ursprünglich hatte die WestLB selbst mit mehreren Investorengruppen über den Verkauf ihrer Tui-Anteile verhandelt. Vor allem spanische Hotelgruppen zeigten starkes Interesse, beim Reisekonzern einzusteigen und damit Einfluss auf einen wichtigen Geschäftspartner zu erhalten. Die Gespräche entwickelten sich in den vergangenen Monaten jedoch zur Hängepartie. Noch in der vergangenen Woche hatte WestLB-Chef Thomas Fischer einem zügigen Abschluss der Gespräche eine Absage erteilt und den Deal erst für kommendes Jahr angekündigt.

Der deutlich schnellere Weg über die Deutsche Bank erweist sich nun als geschickter Schachzug. Auch Tui profitiert, denn Riu galt seit langem als Wunschpartner von Tui-Chef Frenzel, der befürchtet hatte, dass feindliche Investoren den Verkauf des WestLB- Paketes für eine unfreundliche Übernahme nutzen könnten.

„Das ist für Tui eine wunderbare Lösung“, sagte Christian Obst, Analyst bei der Hypo-Vereinsbank. „17,3 Prozent liegen jetzt bei befreundeten Gesellschaften, die kaum gegen die Interessen von Tui agieren dürften.“ Jan Kahmann, Vorstandsmitglied der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, sagte, er „gehe jetzt davon aus, dass der Konzern in seiner heutigen Struktur erhalten bleibt“. Kahmann ist stellvertretender Aufsichtsratschef der Tui.

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