Wirtschaft : Sparen bei Ortsgesprächen

Billige City-Verbindungen über Call-by-Call gibt es frühestens im Mai, sparen kann man schon jetzt

Corinna Visser

TAGESSPIEGEL-SERVICE: PREISWERT TELEFONIEREN

Grundgebühren rauf, Gesprächsgebühren runter. Nach diesem Prinzip hat die Deutsche Telekom zum 1. Februar die Preise im Ortsnetz geändert. Kunden, die vorwiegend innerhalb der eigenen Stadt oder in direkt angrenzende Orte telefonieren, profitieren von der Preisänderung. Wer meist Ferngespräche führt oder vorwiegend ins Ausland telefoniert, bei dem macht sich dagegen die Erhöhung des Grundpreises für den analogen Standardanschluss von 13,33 Euro auf 13,72 Euro pro Monat bemerkbar. Darauf, dass Ortsgespräche so billig werden, wie Ferngespräche es bereits sind, müssen Kunden noch einige Monate warten. Jedoch kann man auch schon heute bei Nahgesprächen sparen.

Mit der Liberalisierung des deutschen Telekommunikationsmarktes 1998 wurde in Deutschland das Call-by-Call-Verfahren bei Ferngesprächen eingeführt. Es ist eine einfache Möglichkeit, beim Telefonieren vom Wettbewerb der Anbieter zu profitieren und zu sparen. Vor jedem Ferngespräch muss nur eine Netzvorwahl gewählt werden, dann die Vorwahl und die Nummer des Gesprächspartners. Für das offene Call-by-Call ist keine Anmeldung erforderlich. Abgerechnet wird über die monatliche Telefonrechnung. Die Preise sind seither dramatisch gefallen.

Anders bei den Ortsgesprächen. Hier gibt es noch kein Call-by-Call. Die Hoffnung des Gesetzgebers war es, dass eine Vielzahl von Wettbewerbern entstehen würde, die in eigene Ortsnetze investieren und den Kunden eigene Anschlüsse in Konkurrenz zur Deutschen Telekom anbieten. Zwar gibt es in den meisten großen Städten heute alternative Netzbetreiber, in vielen Städten sogar gleich mehrere, doch ihr Marktanteil liegt deutschlandweit immer noch bei unter fünf Prozent.

Dass der Wettbewerb im deutschen Ortsnetz nicht in Gang kommt, ist mittlerweile auch der Europäischen Kommission ein Dorn im Auge. Nicht zuletzt wegen des Drucks aus Brüssel hat der Bundestag im vergangenen Oktober ein Gesetz verabschiedet, dass das marktbeherrschende Unternehmen, hier die Deutsche Telekom, Call-by- Call auch im Ortsnetz einführen muss. Bereits zum 1. Dezember vergangenen Jahres hätte es so weit sein sollen. Doch die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post akzeptierte den Einwand der Telekom, dass die technischen Voraussetzungen so schnell nicht zu realisieren seien.

Jetzt ist auch die Regulierungsbehörde gefragt. Sie muss festlegen, welche technischen Voraussetzungen die Telekom schaffen muss, welche Leistungen die Wettbewerber erbringen müssen und welche Preise die Telekom am Ende von den Wettbewerbern verlangen darf. „Wir rechnen damit, dass es im Mai mit Call-by-Call im Ortsnetz losgehen kann“, sagt Thomas Rühmer von 01051 Telecom. „Und wir sind startbereit.“ 01051 Telecom hat als erste von inzwischen rund einem Dutzend Firmen einen Vertrag für Call-by- Call im Ortsnetz mit der Deutschen Telekom abgeschlossen. Preise will Rühmer noch nicht nennen, zuerst müsse das Entgeltkonzept der Regulierungsbehörde stehen. Aber er erwartet, dass „die Preise für Ortsgespräche maximal das Niveau der heutigen Preise für Ferngespräche haben werden“. Somit seien sie dann deutlich günstiger als bei der Telekom heute – vor allem bei analogen Anschlüssen ohne „Aktiv-Plus“ oder andere Tarifoptionen, die die Telekom gegen einen monatlichen Aufpreis anbietet.

Doch es gibt schon heute die Möglichkeit, günstige Ferngesprächsangebote auch für Ortsgespräche zu nutzen. Dazu wird der Umweg über die Vorwahl 0190-0 gewählt, bei denen der Anbieter den Tarif frei wählen kann: von ganz billig bis sehr teuer. Hier muss der Kunde beim Wählen sehr genau aufpassen. Wer aus Versehen eine falsche 0190-0er Nummer wählt, kann auch bei einem der teuren Mehrwertdienste landen, die ebenfalls über 0190er Nummern abgerechnet werden. Sofort wieder auflegen hilft dabei nicht immer. Einige Anbieter verlangen bereits beim Herstellen der Verbindung Euro-Beträge im zweistelligen Bereich. Das Verwählen kann hier also sehr teuer werden. Rühmer von 01051 Telecom rechnet daher damit, dass der Wettbewerb im Ortsnetz erst richtig beginnt, wenn das echte Call- by-Call losgeht.

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