Wirtschaft : Sparen ist gut, Vertrauen ist besser

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Das Wirtschaftswachstum schwächelt bereits seit drei Jahren, die Arbeitslosigkeit steigt, die Lücken in den Staatsfinanzen werden immer größer. Ein Konjunkturprogramm muss her, verlangen die Gewerkschaften, mindestens 20 Milliarden Euro solle der Staat ausgeben. Doch Ausgabenprogramme jeglicher Art bringen nichts, warnen Wirtschaftsexperten, die Konjunktur lasse sich mit fix verabschiedeten Ausgabenprogrammen nicht anheizen – nicht nur, weil die nach kurzer Zeit wieder verpuffen. „Der psychologische Schaden wäre enorm“, sagt Philipp Nimmermann von der ING BHFBank. „Und der Wachstumseffekt wäre gleich Null.“

Warum? Wirtschaft ist zu fünfzig Prozent Psychologie, wissen die Deutschen seit Ludwig Erhard. Verbraucher kaufen und Unternehmen investieren aber nur, wenn sie sicher sind, dass keine Krise vor der Tür steht. Das aber würden die Menschen befürchten, legte der Staat Ausgabenprogramme auf. Nimmermann: „Ob man die Programme nun Kapital für Arbeit oder Investitionszuschüsse nennt – sie führen stets dazu, dass der Staat neue Schulden aufnehmen muss. Das bedeutet: Die Bürger befürchten für die Zukunft höhere Steuern – und geben weniger Geld aus.“

Nimmermann zufolge gibt es nur einen Weg zum schnellen Aufschwung. „Die Bundesregierung sollte schnellstens die Steuerreformstufen vorziehen, die für 2004 und 2005 geplant sind“, schlägt er vor. Das würde zwar auch wieder Löcher in die Kassen von Bund, Ländern und Gemeinden reißen, räumt er ein. „Doch das würde langfristig wieder Vertrauen schaffen und die trübe Stimmung der Deutschen nach Jahren der Flaute aufhellen.“ Denn die Aussicht auf sinkende Steuern würde bei den misstrauischen Konsumenten auch wieder die Kauflust wecken, und Firmenchefs würden neue Leute einstellen. Kurz: Der Aufschwung käme – und mit ihm höhere Steuereinnahmen, mit denen der Staat seine Schulden zurückzahlen könnte. brö

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