Wirtschaft : Sparen ist nur eine Notlösung

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Von Daniel RheePiening

Rund ein Drittel der größten deutschen an der Börse notierten Unternehmen erwartet im laufenden Jahr nach eigenen Angaben steigende Gewinne. Dazu passt, dass eine ganze Anzahl von Dax-30-Unternehmen bereits in diesem Jahr ihre Dividende erhöhen will. So versuchen die Vorstände dem Kursverfall an der Börse zu begegnen und das Vertrauen der Aktionäre zurückzugewinnen.

Was sich auf den ersten Blick als Erfolgsmeldung einer florierenden Wirtschaft liest, und die Stimmung bei den Aktionären sicherlich heben wird, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als zumindest zwiespältige Nachricht. Angesichts der politischen und konjunkturellen Risiken wagt die Mehrzahl der Firmenchefs keine Expansion mehr und geht auf Nummer Sicher. Die Experten in den Führungsetagen der Wirtschaft, bei den Wirtschaftsforschungsinstituten und bei der Deutschen Bundesbank warnen sogar immer deutlicher davor, dass 2003 ein weiteres verlorenes Jahr werden könnte. Die Konjunktur, so der Tenor, werde erst 2004 wieder richtig anspringen.

In dieser Lage versuchen sich die Unternehmen über die Zeit zu retten. Drastische Sparprogramme sind bereits angelaufen oder werden angekündigt. Sparen kann die Zukunft der Unternehmen sichern, es kann sogar dafür sorgen, dass die Konzerne auch mehr Gewinne machen. Doch es bedeutet auch den weiteren Abbau von Arbeitsplätzen, was die Situation in der deutschen Volkswirtschaft weiter verschärft. Die Arbeitslosigkeit wird steigen, ihre Finanzierung und die Finanzierung der Sozialsysteme wird noch schwieriger. Und: Wer Investitionen verschiebt oder ganz streicht, wer bei Forschung und Entwicklung spart, der verpasst sehr schnell den richtigen Moment, an dem es gilt zu expandieren. Sparen ist nun einmal defensiv – und kann auf Dauer keine Strategie ersetzen.

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