Wirtschaft : Sparen, streichen, investieren

Der neue Chef Kazuo Hirai verordnet Sony einen harten Sanierungskurs und streicht 10 000 Stellen.

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Das Sony-Center. Hier ist auch Sony Deutschland nur Mieter. Der Konzern hat den Komplex 2008 verkauft. Foto: Thilo Rückeis
Das Sony-Center. Hier ist auch Sony Deutschland nur Mieter. Der Konzern hat den Komplex 2008 verkauft. Foto: Thilo Rückeis

Berlin - Die Probleme sind erkannt, jetzt kommt es darauf an, ob die Ideen zu ihrer Lösung auch funktionieren. „Sony wird sich ändern“, kündigte Kazuo Hirai, der neue Chef des japanischen Elektronikkonzerns, am Donnerstag an. Er möchte Sony zu alter Stärke zurückführen, dafür verordnet er dem Unternehmen einen harten Sparkurs. Weltweit wird Sony 10 000 Stellen abbauen, das sind sechs Prozent der gesamten Belegschaft. Deutlich wachsen will Hirai in den drei Bereichen Digital Imaging (Kameras), Game (Playstation) und Mobile (Smartphones). Zugleich will der 51-jährige Hirai in neue Geschäftsfelder wie etwa Medizintechnik investieren. Damit erhält Siemens neue Konkurrenz aus Japan.

Seit vier Jahren schreibt der Elektronikpionier, der in den 1980er Jahren von Erfolg zu Erfolg eilte, rote Zahlen. Im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr machte Sony einen Rekordverlust von 520 Milliarden Yen, das sind fast fünf Milliarden Euro. Im Kerngeschäft mit der Unterhaltungselektronik leidet Sony unter dem massiven Preisverfall, einer schwächelnden Nachfrage und dem starken Yen. An dem seit acht Jahren defizitären Geschäft mit Fernsehern will Konzernchef Hirai zwar festhalten, doch sollen die Kosten massiv gesenkt werden. Hirai arbeitet seit 26 Jahren für Sony, leitete zuletzt das erfolgreiche Geschäft mit Spielekonsolen und übernahm am 1. April die Konzernleitung. Für das Geschäftsjahr 2014/15 sagte er einen Umsatz von gut 80 Milliarden Euro voraus. Dann soll Sony wieder mehr als vier Milliarden Euro verdienen. Doch zunächst werde die Sanierung im laufenden Geschäftsjahr gut 700 Millionen Euro kosten, kündigte Hirai an. Etwa 3000 Stellen fallen durch den Verkauf des Chemiegeschäfts weg. Wo die übrigen 7000 Stellen gestrichen werden, wollte Sony noch nicht sagen. 30 bis 40 Prozent der insgesamt 10 000 Stellen würden in Japan wegfallen, sagte eine Sony-Sprecherin in Berlin.

Sony Deutschland beschäftigt aktuell 400 Mitarbeiter, die für den Bereich Unterhaltungselektronik arbeiten. 2006 war das Unternehmen von Köln nach Berlin ins Sony-Center am Potsdamer Platz umgezogen. In früheren Zeiten hatte Sony in Deutschland sogar rund 800 Beschäftigte. Weitere Mitarbeiter sind für den Konzern etwa bei Sony Music in München oder im Forschungslabor in Stuttgart tätig. Inwieweit die deutsche Organisation von den Sanierungsplänen betroffen sein wird, sei noch nicht bekannt, sagte die Sprecherin in Berlin. Informationen dazu erwarte sie in den kommenden Wochen. Heute ist Sony Deutschland Mieter im Sony-Center. Es gebe auch keine Pläne, dies zu ändern, sagte die Sprecherin. Der Konzern hatte den Gebäudekomplex 2008 verkauft, inzwischen gehört er einem südkoreanischen Pensionsfonds.

Hirai setzt dem Konzern ehrgeizige Ziele. Binnen drei Geschäftsjahren will er zur Weltmarktspitze bei Smartphones vorstoßen. „Das Smartphone ist das zentrale Gerät der Zukunft“, sagte Hirai. Den Umsatz damit will Hirai auf 17 Milliarden Euro verdreifachen. Bislang spielt Sony in dem Segment praktisch keine Rolle, hat aber kürzlich von Ericsson den Anteil am bisher gemeinsam geführten Handyhersteller übernommen, um nun Apple oder Samsung verstärkt Konkurrenz zu machen.

Ehrgeizig sind die Pläne auch in der Medizintechnik. Im Geschäftsjahr 2014/15 will Sony knapp eine halbe Milliarde Euro umsetzen. Dafür will das Unternehmen auf Einkaufstour gehen. Sony suche nach Übernahmemöglichkeiten auf dem Gebiet, sagte Hirai. Der renditeträchtige Markt mit Klinik- und Praxisausrüstung wird allerdings von mächtigen Konkurrenten beherrscht. Siemens, General Electric, Philips und Toshiba dominieren das Geschäft. Allerdings gilt Sony als möglicher Käufer der Medizintechnik von Olympus. Das Unternehmen steht nach einem milliardenschweren Bilanzskandal unter Druck. Für Siemens sei es eine schlechte Nachricht, wenn Sony nun in die Medizintechnik einsteige, sagte Analyst Theo Kitz vom Bankhaus Merck Finck. Allerdings werde es eine Zeit dauern, bis Sony sich auf dem Markt etabliert habe. Für Sony könne ein solches Investment Sinn machen, da der Gesundheitsmarkt langfristig ein Wachstumsmarkt sei und zugleich weniger konjunkturabhängig als etwa die Konsumelektronik. „Die Medizintechnik könnte ein Risikoausgleich sein“, sagte Kitz.

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