Wirtschaft : Sparkassen: Banken umwerben den Mittelstand

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Der Mittelstand kann sich weiter auf die Sparkassen verlassen, jedenfalls nach Ansicht von Dietrich Hoppenstedt, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). Der Marktanteil im Kreditgeschäft mit dem Mittelstand sei auch im Jahr 2000 weiter gestiegen. Während die Großbanken ihr Geschäft mit Firmenkrediten nur um 2,8 Prozent ausgeweitet hätten, habe es bei den Sparkassen ein Plus von sechs Prozent gegeben. Bei der Finanzierung von Existenzgründern liege der Marktanteil bei 51, bei Krediten für das Handwerk sogar bei 66 Prozent, sagte Hoppenstedt am Dienstag in Frankfurt. "Dies alles zeigt: Trotz anderer Behauptungen ziehen sich auch die privaten Großbanken weiterhin aus dem mittelständischen Kreditgeschäft zurück".

Mittlerweile behaupten alle Bankengruppen, auch die großen Häuser wie Deutsche, Dresdner und Commerzbank, sich vornehmlich um den Mittelstand zu kümmern. Nach Ansicht von Hoppenstedt sind die Sparkassen allerdings am dichtesten dran. "Die Sparkassen kennen diesen Markt besser als die Wettbewerber. Wir haben Daten die andere nicht haben." Dabei hätten die Sparkassen die Risiken im Griff. Im Jahr 2000 hätten sie die Quadratur des Kreises geschafft und bei höherem Risikobewusstsein auch höhere Erträge erzielt. Insgesamt erreichten die 562 Sparkassen - zwölf weniger als ein Jahr zuvor - mit ihren rund 375 000 Mitarbeitern im vergangenen Jahr einen Jahresüberschuss von 2,5 Milliarden Euro erreicht und damit knapp zwölf Prozent mehr als 1999. Die Eigenkapitalrendite lag damit bei 15 Prozent.

Auch bei den Sparkassen sorgte das Wertpapiergeschäft für einen weiteren Schub. Vor allem das Fondsgeschäft lief bei einem Nettoabsatz von 19,4 Milliarden Euro wie geschmiert. Die DGZ-Deka-Bank, die das Fondsgeschäft der Sparkassen verantwortet, konnte ihren Marktanteil auf 20,5 Prozent steigern und liegt damit nur noch 0,2 Prozentpunkte hinter dem Marktführer, der Deutsche Bank-Tochter DWS. "Noch in diesem Jahr werden wir die Marktführerschaft übernehmen dann nicht mehr abgeben", ist sich Hoppenstedt sicher.

Nicht so sicher ist sich der DSGV-Präsident, ob das leidige Thema Anstaltslast und Gewährträgerhaftung - die öffentlichen Garantien für Sparkassen und Landesbanken - noch in diesem Jahr vom Tisch kommt. Die EU lehnt sie als unerlaubte Beihilfen ab. "Wir wollen eine Verständigung mit Brüssel", sagt Hoppenstedt. Die Sparkassen hätten kein Interesse an jahrelangen Auseinandersetzungen. Deshalb setzt der DSGV-Präsident auf eine gemeinsame Plattform von Bundesregierung, Bundesländern und Sparkassen. In Kürze April will der DSGV mit den Ministerpräsidenten der Länder Übereinstimmung erzielen, damit dann die Bundesregierung "sehr kurzfristig" in konkrete Gespräche mit der EU-Kommission eintreten kann. Ein "sehr konkreter" Lösungsansatz der Sparkassen liege bereits vor.

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