Wirtschaft : Sparkassen beklagen weiter verschlechterte Ertragslage

BERLIN (dr).Licht und Schatten hatte das Geschäftsjahr 1998 für den Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) parat.Sparkassenpräsident Dietrich H.Hoppenstedt erklärte am Dienstag vor der Presse, mit der Stellung der Sparkassen als größter Gruppe des deutschen Kreditgewerbes sei der DSGV insgesamt zufrieden.Dagegen sei die Ertragslage - gemessen an der Durchschnittsbilanzsumme - leider nochmals rückläufig gewesen.

Gemessen am Gesamtvolumen hatten die 594 Sparkassen und 13 Landesbanken/Girozentralen im vergangenen Jahr einen Marktanteil von nahezu unverändert gut 36 Prozent.Ihr Geschäft konnten die Institute um 8,2 Prozent auf gut 3,6 Billionen DM ausbauen.Dabei brachten es die Sparkassen auf eine Bilanzsumme von 1,78 Billionen, was einem Plus von 5,9 Prozent entspricht.Die Landesbanken/Girozentralen steigerten ihre Bilanzsumme sogar insgesamt um 10,5 Prozent auf 1,86 Billionen DM.

Das niedrige Zinsniveau, das die Ertragsspielräume im Zinsmargenbereich generell eingeschränkt habe, habe sich bei der Rentabilität der Sparkassen bemerkbar gemacht, so Hoppenstedt weiter.So sei der Zinsüberschuß von 2,68 Prozent auf 2,49 Prozent der Durchschnittsbilanzsumme zurückgegangen.Das Betriebsergebnis vor Bewertung erreichte 1,13 (Vorjahr 1,25) Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme.Nach Bewertung fiel es auf 0,77 (0,81) Prozent zurück.Der durchschnittliche Jahresüberschuß der Institute kletterte jedoch geringfügig auf 0,28 (0,27) Prozent.

Hoppenstedt wies darauf hin, daß sich die Sparkassenorganisationen mit ihren Ergebnissen durchaus sehen lassen könnten.Angesichts der fortlaufend sinkenden Betriebsergebnisse müßten allerdings alle Aufwands- und Ertragspositionen auf den Prüfstand gestellt werden.So forderte Hoppenstedt, den Direktvertrieb zu verstärken.Derzeit arbeiten bundesweit sieben Call Center für die Sparkassen.Hinzu kommen 130 eigene Call Center.Der DSGV-Präsident verneinte aber konkrete Überlegungen, eine übergreifende Direktbank zu schaffen.Ferner wollen die Sparkassen zur Abwicklung des Wertpapierservice ein eigenes Wertpapierhaus schaffen.Die Verantwortung für das einzelne Geschäft solle aber bei der jeweiligen Sparkasse verbleiben.Bei der EDV solle in Zukunft stärker zusammengearbeitet werden.Nicht zuletzt erwartet Hoppenstaedt, daß sich das Tempo von Fusionen im Sparkassenbereich verschärfen wird.

Mit Blick auf das Ausschüttungspotential der Sparkassen und angebliche Wettbewerbsvorteile verwies der DSGV-Präsident darauf, daß die Sparkassen überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen müßten.Zum einen müßten sie ihr Eigenkapital selbst erwirtschaften, zum anderen sei bei der Sparkassenorganisation im Vergleich zu den Konkurrenten eine deutlich höhere Steuerlast zu verkraften.Insgesamt habe das Steueraufkommen von Sparkassen und Landesbanken bei knapp 10 Mrd.DM gelegen und damit knapp die Hälfte des Gesamtsteueraufkommens des Kreditgewerbes erreicht.

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