Wirtschaft : Sparkassen wollen kämpfen

Verband ist gegen den Verkauf der Berliner Geldinstitute an private Käufer / Ertragslage 2005 verbessert

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Der deutsche Sparkassenverband will alle Anstrengungen unternehmen, dass die Berliner Sparkasse im Zuge des Verkaufs der Bankgesellschaft Berlin nicht an einen privaten Käufer geht. „Wir wollen in Berlin eine echte Sparkasse erhalten und behalten“, sagte Dietrich Hoppenstedt, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) am Mittwoch in Frankfurt am Main. Dafür werde man sich, falls nötig, Ende 2006 auch als Bieter in den Verkaufsprozess für die Bankgesellschaft einschalten. „Dies ist breiter Konsens in der Sparkassen-Gruppe.“ Wie ein solches Angebot im Detail aussehen könnte, ließ Hoppenstedt offen.

Das Land Berlin muss die Bankgesellschaft, die öffentliche Milliarden-Beihilfen erhalten hat, auf Grund von EU-Auflagen bis Ende 2007 verkaufen. Die Tochter Berliner Bank muss getrennt schon bis Ende 2006 abgestoßen werden. Interesse an der Berliner Bank haben unter anderem die Berliner Volksbank, die Commerzbank, die Hypo-Vereinsbank und die Deutsche Bank angemeldet. Aber auch die Mittelbrandenburgische Sparkasse (MBS) in Potsdam ist interessiert, was im Sparkassen-Lager auf wenig Zustimmung stößt, da die MBS damit gegen das Regionalprinzip des Verbundes verstößt.

Auch mit Blick auf die Veräußerung der Berliner Sparkasse wehrt sich der Sparkassen- und Giroverband entschieden gegen das Verlangen der EU-Kommission, Paragraf 40 des deutschen Kreditwesengesetzes zu lockern. Nach dieser Vorschrift dürfen nur öffentlich-rechtliche Institute die Bezeichnung „Sparkasse“ verwenden. „Das ist eine Vorschrift zum Schutz der Verbraucher“, sagte Hoppenstedt. „Jeder Bürger soll erkennen können, mit welcher Art von Kreditinstitut er es zu tun hat.“ Die Marke gehöre der Gesamtheit aller Sparkassen, die sie so wertvoll gemacht hätten. „Sie können verstehen, dass wir nicht Dritten erlauben können, den Sparkassen ihre Marke zu entziehen“, sagte der Sparkassen-Präsident.

Neben einer Offerte für die Bankgesellschaft Berlin erwägt das Sparkassenlager nach den Worten von Hoppenstedt auch eine Beteiligung an der Deutschen Börse, um die Interessen des Finanzplatzes Deutschland zu sichern. Er betrachte mit Sorge, dass die deutsche Kreditwirtschaft die Konsolidierung der europäischen Börsenlandschaft nur von der Seitenlinie verfolgen könne, weil sie sämtliche Anteile an der Deutsche Börse AG veräußert habe. Die jüngst bekannt gewordenen Fusionsabsichten mit der Vierländer-Börse Euronext in Paris begrüßte Hoppenstedt ausdrücklich. „Das wäre eine sinnvolle Lösung.“ Allerdings dürfe dies nur umgesetzt werden, wenn Frankfurt Hauptsitz des fusionierten Unternehmens bleibe und wenn die Fusion nicht zu Lasten der deutschen Marktteilnehmer gehe. Auch das für die Abwicklung der Börsengeschäfte zuständige Tochterunternehmen Clearstream müsse Teil des Unternehmens bleiben.

Im Sparkassenlager selbst erwartet Hoppenstedt, der nach fast acht Jahren Ende April das Präsidentenamt an Heinrich Haasis übergibt, weniger Zusammenschlüsse. Es werde künftig nicht mehr 20 oder 30 Fusionen pro Jahr geben. „Viele Sparkassen haben jetzt eine sinnvolle betriebswirtschaftliche Größe, andere profitieren von zentralen Serviceeinheiten.“ Ende 2005 gab es bundesweit noch 463 Sparkassen, 14 weniger als ein Jahr zuvor und rund 100 weniger als noch vor fünf Jahren. „Es wird noch Fusionen geben, um die Sparkassen und ihre Wirtschaftsräume in Deckung zu halten oder bestehende Gemengelagen abzubauen.“

Auch die Fusionen haben dazu geführt, dass die Sparkassen ihre Ertragslage 2005 deutlich verbessern konnten. Das Vorsteuer-Ergebnis aller Institute zusammengerechnet stieg um 20 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro, nach Steuern ergab sich ein Plus von fast 24 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Die Eigenkapitalrendite vor Steuern lag bei 10,1 Prozent. Die Aufwandsquote – Aufwendungen pro Euro Umsatz – lag bei 62,5 Prozent und damit zum Teil deutlich niedriger als bei den Großbanken. Bei der Dresdner Bank etwa sind es rund 89 Prozent. Auch die Sparkassen bauen nach wie vor Personal ab: 2005 wurden insgesamt 4600 oder 1,8 Prozent aller Stellen gestrichen. Am Jahresende beschäftigten die Institute noch rund 260 800 Menschen.

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