Sparprogramm : BMW läuft wieder

Die deutsche Autoindustrie verbreitet Optimismus. Obwohl die Verkaufszahlen auf den wichtigen Auslandsmärkten im Vergleich zum Vorjahr immer noch sinken, stabilisiert sich der Autoabsatz allmählich wieder - sogar bei den Premiumherstellern.

T. Magenheim,H. Mortsiefer
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Das Sparen zahlt sich aus. BMW produziert weniger mit weniger Mitarbeitern. Die Verkaufszahlen bleiben schwach. Foto: ddpddp

München/Berlin -  Zwei Drittel aller in Deutschland produzierten Autos werden exportiert. Dank Abwrackprämie bleibt die Autonachfrage im Inland hoch. Im Juli stieg sie um knapp 30 Prozent. Im bisherigen Jahresverlauf stiegen die Anmeldungen von Neuwagen laut Automobilverband VDA um 27 Prozent auf 2,4 Millionen. Selbst ein Premiumhersteller wie BMW, der von der Prämie kaum profitiert hat, kam zuletzt wieder besser ins Geschäft. Nach zwei Quartalen mit Verlust verdiente BMW von April bis Juni 121 Millionen Euro.

BMW profitiert dabei vor allem von seinem rigiden Sparprogramm und Produktionskürzungen. Auch die Mitarbeiterzahl wurde reduziert: Seit Anfang des Jahres wurden nochmals 1800 Stellen auf noch gut 98 000 abgebaut. Diesen Sparkurs will BMW auch weiter fortsetzen.

Im zweiten Quartal schnitt der Premiumhersteller besser ab als erwartet und schaffte einen kleinen Gewinn. Der Überschuss sank zwar von 507 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 121 Millionen Euro, im ersten Quartal war allerdings noch ein Verlust angefallen. Der Umsatz sank wegen der geringeren Verkäufe von April bis Juni von 14,6 Milliarden auf rund 13 Milliarden Euro.

In der ersten Jahreshälfte haben die Münchner gut 615 000 Autos und damit rund ein Fünftel weniger verkauft. Der Umsatz sank um zwölf Prozent auf 24,5 Milliarden Euro. Das Halbjahresergebnis lag mit 31 Millionen Euro Defizit nach einem Milliardengewinn im ersten Halbjahr 2008 in der Verlustzone.

BMW-Chef Norbert Reithofer will die Luxusmarke vor allem mit Effizienzfortschritten nach vorne bringen. Nach dem jüngsten Ausstieg aus der Formel 1 forciert BMW nun zum Beispiel die Entwicklung seines kleinen, elektrisch betriebenen Stadtautos, das als BMW auf den Markt kommen soll. „Damit ist klar, dass es keine vierte Marke geben wird“, sagte Reithofer am Dienstag in München. Neben der Hauptmarke BMW sind die Bayern mit dem Kleinwagen Mini und den Nobelkarossen von Rolls-Royce am Markt aktiv. Das neue Elektroauto, das bis spätestens 2015 auf der Straße rollen soll, soll sich in der Namensgebung an der existierenden Submarke BMW M orientieren, die besonders PS-starke Varianten für Sportwagenfans anbietet. Das M steht dabei für Motorsport. Analog dazu könnte der Elektro-BMW als BMW E auf den Markt kommen. Reithofer wollte darüber nicht spekulieren.

Aktuell ist eine gut 600 Fahrzeuge umfassendeTestflotte von Minis mit Elektroantrieb in Deutschland, Großbritannien und den USA als Mini E unterwegs. Der Elektro-BMW werde zum Start als reines Elektrofahrzeug angeboten, sagte Reithofer. Als Variante ist ein besonders sparsamer Verbrennungsmotor, aber kein Hybridmodell im Gespräch. Das Auto wird sicher mit vier Rädern angeboten. Es könne aber auch andere Varianten geben, heißt es im Konzern. Den Elektromotor wollen die Münchner selbst bauen. Die Batterie wird SB Limotive liefern, ein Gemeinschaftsunternehmen von Bosch und Südkoreas Samsung-Konzern, das damit einen ersten Kunden gefunden hat.

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„Premium muss Vorbild sein“, sagte Reithofer. Luxusautos würden immer mehr über Nachhaltigkeit definiert. Mit einem Spritverbrauch der aktuellen Flotte von im Schnitt 5,9 Liter je 100 Kilometer sei BMW in seiner Klasse führend. Die Münchner nehmen für sich in Anspruch, der weltweit führende Anbieter von Luxusautos zu sein. Aktuell hat BMW nach eigenen Angaben im Premiumsegment weltweit einen Anteil von gut 21 Prozent.

Die im Ausland traditionell starken deutschen Marken verkauften zuletzt insgesamt wieder besser. Die Bestellungen aus dem Ausland, die im bisherigen Jahresverlauf um 24 Prozent zurückgegangen sind, lagen im Juli nur noch bei minus acht Prozent, wie der VDA mitteilte. Saisonbereinigt erreichten die Bestellungen das Vormonatsniveau. Die Ausfuhr der deutschen Hersteller fiel im Juli mit 289 000 Autos um zwölf Prozent niedriger aus. In den ersten sieben Monaten betrug der Rückgang noch 31 Prozent.

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