Sparprogramm : Die Bahn dreht jeden Cent um

Der Bahn-Konzern verordnet sich angesichts der Krise ein umfangreiches Sparprogramm – und droht mit dem Abbau von Arbeitsplätzen. Es kriselt an allen Ecken und Enden.

Carsten Brönstrup
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Im Nebel. Die Manager in der Berliner Zentrale sind unsicher, wie schlimm die Krise den Konzern treffen wird. Foto: ddp

BerlinBerlin -Die Deutsche Bahn arbeitet angesichts der tiefen Wirtschaftskrise an einem weit reichenden Sparprogramm. „Es steht alles auf dem Prüfstand“, sagte ein Konzernsprecher am Freitag. Man wolle in allen Bereichen ein „strenges Ausgabenregime“ einführen. Außerdem verhängte der Vorstand einen Einstellungsstopp und drohte mit dem Abbau von Arbeitsplätzen im Regionalbereich. Eine Prognose für das laufende Geschäftsjahr will das Staatsunternehmen angesichts der unsicheren Lage nicht abgeben.

Auch die Deutsche Bahn werde unter den Folgen der Krise zu leiden haben, erklärte die Konzernführung in einer Mitteilung. „Wir müssen uns auf die veränderten Rahmenbedingungen einstellen und darauf entschlossen reagieren“, wurde Bahn-Chef Hartmut Mehdorn darin zitiert. Bereits jetzt könne man Kredite nur zu deutlich schlechteren Konditionen aufnehmen als vor der Krise. Unter Zinsaufschlägen leidet die Bahn angesichts ihrer hohen Verschuldung besonders stark.

Welche Summe die Bahn insgesamt einsparen will, ist noch unklar. Derzeit durchforstet die Finanzabteilung den gesamten Konzern nach überflüssigen Ausgaben. „Die schauen sich jede Briefmarke an“, hieß es in konzernnahen Kreisen. Bis Ende des Monats soll der Sparplan fertig sein. Zudem läuft die Arbeit an der Jahresbilanz für 2008 auf Hochtouren – sie dürfte die vorerst letzte mit einem stattlichen Gewinn sein. 2007 hatte die Bahn 1,7 Milliarden Euro verdient.

Ziel des Sparplans sei es auch, die Verwaltung zu verschlanken und Prozesse zu beschleunigen, sagte der Sprecher weiter. „Das Programm soll einen Beitrag dazu leisten, die unmittelbaren Auswirkungen der Krise abzumildern und das in der Vergangenheit Erreichte zu sichern“, hieß es. Auch wolle man für die Zeit nach der Krise gerüstet sein. „Wir müssen uns so aufstellen, dass wir unsere Chancen unmittelbar nutzen können, wenn sich der Markt stabilisiert“, sagte Mehdorn.

Seit Herbst vergangenen Jahres spürt die Bahn den Konjunktureinbruch massiv, vor allem im Gütertransport auf der Schiene. Hier macht sich der Auftragseinbruch bei den wichtigsten Kunden aus den Branchen Auto, Stahl, Chemie und Maschinenbau bemerkbar. Bei der Bahn seien die Bestellungen in den ersten sechs Wochen des Jahres um ein Drittel geringer gewesen als im gleichen Vorjahreszeitraum, hatte Klaus Kremper, der Chef der neuerdings als DB Schenker Rail firmierenden Sparte, kürzlich erklärt. 35 000 Güterwaggons stehen deshalb momentan auf dem Abstellgleis. Für 5000 der insgesamt 28 000 Beschäftigten könne es deshalb in den kommenden Monaten Kurzarbeit geben. Instrumente wie der Abbau von Urlaub oder Überstunden seien bereits ausgereizt. Ein Sprecher der Bahn-Gewerkschaft Transnet sagte, bei den Verhandlungen über die Kurzarbeit habe man erreicht, dass das Unternehmen 250 Lehrlinge übernimmt.

Zusätzlich rechnet die Bahn damit, dass sich der Preiskampf im Güterverkehr verschärft. Angesichts der gesunkenen Spritpreise werde es auch mehr Konkurrenz durch den Lastwagen geben. In den vergangenen Jahren hatte die Schiene ihre Rolle im Transport stets stärken können. Einer Studie des Bundesverkehrsministeriums zufolge wird der gesamte Güterverkehr angesichts der Krise 2009 um vier bis fünf Prozent zurückgehen.

Auch im Personenverkehr hat die Bahn Probleme – dies aber nicht allein durch die schwache Konjunktur. Die Lohnkosten in der Regionalverkehrs-Sparte lägen deutlich über dem Niveau privater Wettbewerber, klagt die Konzernführung. 2008 habe die Bahn daher deutlich weniger Aufträge für den Betrieb von Zugstrecken gewonnen. Länder und Verkehrsverbünde bestellen die Verkehrsleistungen mit pro Jahr rund sieben Milliarden Euro, die sie vom Bund bekommen. Das Bahn-Management verlangt nun Zugeständnisse von der Belegschaft. Wenn es der Sparte „nicht gelingt, die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, gehen Arbeitsplätze in nennenswertem Umfang verloren“, drohte die Konzernspitze. Der Marktanteil privater Wettbewerber liege bereits bei 18 Prozent. Auch in Berlin und Brandenburg werden in diesem Jahr wichtige Strecken vergeben. Schon jetzt ist klar, dass die Bahn weiter an Boden verlieren wird: Laut Ausschreibung bekommt ein Bewerber nur eine der beiden lukrativen Regionalstrecken Stendal-Rathenow-Cottbus sowie Magdeburg-Brandenburg-Frankfurt an der Oder. Bislang betreibt die Bahn diese Strecken. Mit den Gewerkschaften hat sie aber vereinbart, dass es Kündigungen bis 2010 nicht geben wird.

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