Sparprogramm : Ford drückt auf's Tempo

Der tief in der Krise steckende US-Autobauer Ford will bereits bis 2008 insgesamt 16 Werke schließen, kündigte das Unternehmen an. Bisher war der Abbau von 14 Werken bis 2012 geplant.

Dearborn - 14.000 und damit ein Drittel der Stellen in Management und Verwaltung in den USA werden gestrichen. 30.000 Arbeiter sollen den Konzern bis 2008 mit einer Abfindung oder per vorgezogenem Ruhestand freiwillig verlassen. Um die sinkenden Verkaufszahlen wieder anzukurbeln, will Ford 70 Prozent seiner in Nordamerika angebotenen Modellpalette bis Ende 2008 erneuern.

Der neue Ford-Chef Alan Mulally, erst seit Dienstag vergangener Woche im Amt, verteidigte die Einschnitte als "unverzichtbar, um auf Fords größtem und wichtigstem Markt die Ertragswende zu schaffen". Die Verkäufe des Konzerns in den USA gingen im ersten Halbjahr um zehn Prozent zurück, das Unternehmen machte in dem Zeitraum 1,4 Milliarden Dollar (1,09 Milliarden Euro) Verlust. In den letzten drei Monaten des Jahres will Ford seine Produktion in Nordamerika zudem um 21 Prozent zurückfahren. Bis 2008 werden dem neuen Sparplan zufolge 26 Prozent weniger Ford-Autos in Nordamerika hergestellt.

Abfindungsangebot für 75.000 Arbeiter

Von den 14.000 Stellen in Management und Verwaltung, die wegfallen sollen, wurden 4000 bereits im ersten Quartal des Jahres abgebaut, wie Ford betonte. Die verbleibenden 10.000 Angestellten sollen bis zum Frühjahr 2007 freiwillig über Frühruhestandsregelungen ausscheiden - "oder unfreiwillig, falls das nötig sein sollte". Zuvor hatten sich Konzernleitung und die Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) bereits auf einen umfangreichen Stellenabbau geeinigt. Danach bietet Ford den 75.000 UAW-Arbeitern eine Abfindung oder den Vorruhestand an, wenn sie bis September 2007 freiwillig gehen. Ziel des Konzerns ist, dass 30.000 Arbeiter bis 2008 ihren Posten räumen. 6500 UAW-Mitglieder nahmen das Angebot der Firma bereits an.

Mit dem Sanierungsprogramm - dessen Kosten das Unternehmen nicht bezifferte - will Ford pro Jahr fünf Milliarden Dollar (rund 3,9 Milliarden Euro) einsparen. Ford werde erst 2009 wieder aus der Verlustzone kommen, warnte das Unternehmen. Eine Dividende werde im vierten Quartal diesen Jahres nicht ausgezahlt. Die Börse quittierte die Ankündigung mit heftigen Verlusten. In New York stürzte der Kurs des Autobauers um fast sieben Prozent auf 8,47 Dollar ab.

Deutsche Standorte vor Kündigungen geschützt

Um wieder Gewinne einzufahren, will der Autobauer in den kommenden zwei Jahren 70 Prozent aller Ford-, Lincoln- und Mercury-Modelle komplett oder größtenteils erneuern. 2008 zum Beispiel werde die Firma einen neuen Sieben-Sitzer für Familien anbieten, der im kanadischen Oakville gefertigt werden solle. Entwickelt werden sollen zudem kleine Autos und Fahrzeuge, die mit Diesel- oder Hybridantrieb fahren.

Ford und die Nummer eins in den USA, General Motors, hatten lange Zeit auf Sprit fressende Geländewagen gesetzt. Angesichts hoher Benzinpreise kehrten viele Käufer den heimischen Marken zugunsten der Anbieter aus Japan und Südkorea mit ihren sparsamen Modellen den Rücken.

Ford beschäftigt weltweit rund 325.000 Menschen. Das Geschäft in Europa und in Südamerika werde auch in diesem Jahr profitabel sein, betonte das Unternehmen. Die deutschen Ford-Standorte Köln und Saarlouis sind durch ein Sonderabkommen bis 2011 gegen Kündigungen abgesichert.

Jaguar steht nicht zum Verkauf

Verlust werden allerdings bei der zu Ford gehörenden Premier Automotive Group (PAG) mit den Marken Aston Martin, Jaguar, Land Rover und Volvo erwartet. Im August hatte Ford bereits angekündigt, die britische Luxusmarke Aston Martin verkaufen zu wollen.

Entgegen der Experteneinschätzungen will Ford Jaguar nicht verkaufen. "Jaguar steht nicht zum Verkauf, wir werden es bekannt machen, falls sich das ändert", sagte der für das internationale Geschäft zuständige Ford-Manager Mark Schulz in einer Telefonkonferenz. Ford sei weiterhin "ermutigt" vom Fortschritt, den Jaguar mache, und setze große Hoffnungen in die neuen Modelle. (tso/AFP)

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