Wirtschaft : Sparprogramm und Staatsmilliarden für France Télécom

Konzern verbucht höchsten Verlust der französischen Geschichte/Unternehmenschef Breton will jetzt aufräumen

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Paris (abo/HB). France Télécom wird das laufende Geschäftsjahr mit dem höchsten Fehlbetrag abschließen, den je ein französisches Unternehmen ausgewiesen hat. Der neue Vorstandschef Thierry Breton kündigte bei der Präsentation seines Sanierungsplans einen Verlust von fast 20 Milliarden Euro an. „Neben den über zwölf Milliarden Euro Abschreibungen, die mein Vorgänger zum Halbjahr in die Bilanz eingestellt hat, werden weitere fünf Milliarden bis sieben Milliarden Euro fällig“, sagte Breton.

Diese Einmalposten, die unter anderem auf Kursverluste der Datennetztochter Equant zurückgehen, überstiegen die operativ positive Entwicklung des Konzerns weit. Sie beeinträchtigten aber die Selbstfinanzierungskraft der Gruppe nicht direkt. „Mit den Maßnahmen des neuen Managements hat France Télécom seine akute Liquiditätskrise überstanden“, gab sich Breton zuversichtlich.

Nach einem Beschluss der Nationalversammlung steht Breton seit gestern ein Kassenvorschuss des Staates von neun Milliarden Euro zur Verfügung. Es ist ein Vorschuss auf den Staatsanteil bei der im Frühjahr 2003 vorgesehenen Kapitalerhöhung. Zusammen mit sechs Milliarden Euro, die Bretons neuer Finanzchef Michel Combes noch in der Kasse hat, sei die Zahlungsfähigkeit des Konzerns jetzt gesichert, sagte Breton. Die Börse reagierte zunächst euphorisch auf die Nachricht. Doch ein Händler in London sagte: „Der Kurs wird wieder fallen, denn es ist noch offen, was die EU zu Bretons Plänen sagt.“ Die EUKommission will untersuchen, ob die Finanzspritze für France Télécom staatliche Beihilfen beinhaltet.

Breton zog am Donnerstag auch einen finanziellen Schlussstrich unter die gescheiterte Zusammenarbeit mit der deutschen Telefonfirma Mobilcom. Die Kooperation habe France Télécom zwölf Milliarden Euro gekostet, sagte Breton vor dem Finanzausschuss der Pariser Nationalversammlung. Da der Staat bei France Télécom Mehrheitsaktionär ist, legte Breton den Abgeordneten Einzelheiten der finanziellen Schieflage seines Unternehmens dar. Demnach muss France Télécom vom Gesamtschuldenstand, der auf rund 70 Milliarden Euro geschätzt wird, in den kommenden drei Jahren 50 Milliarden Euro zurückzahlen.

Der France-Télécom-Chef bestätigte die bereits durchgesickerten Grundzüge seines Sanierungsplans. Der Rationalisierungsplan „Top“ soll bis 2005 durch Mehrleistung aller Unternehmensteile und Minderausgaben rund 15 Milliarden Euro frei verfügbare Mittel einbringen. Die Kapitalerhöhung soll rund 15 Milliarden Euro in die Kasse bringen. Außerdem will Breton weitere 15 Milliarden Euro am Kapitalmarkt leihen, „wann immer sich eine Gelegenheit ergibt“. Eine erste neue Anleihe über fünf Milliarden Euro komme noch vor der Kapitalerhöhung.

Umsetzen will Breton seine Pläne mit einem komplett neuen Management. Nicolas Dufourcq, Chef der Internetsparte Wanadoo, wird durch Olivier Sichel ersetzt. Equant- Chef Didier Delepine erhält mit Barbara Dallibard im Vorstand eine neue Ansprechpartnerin, darf aber vorerst bleiben.

Die Pariser Regierung will nach einer Radikal-Sanierung die Aktienmehrheit bei France Télécom aufgeben.

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