Wirtschaft : Spatenstich für den 420 Millionen Mark teuren Warnowtunnel läutet neue Ära ein

Mit dem symbolischen Spatenstich für den Warnowtunnel in Rostock hat am Donnerstag der Bau des ersten privat finanzierten Fernstraßenprojekts in Deutschland begonnen. Der französische Baukonzern Bouygues will bis zum Frühjahr 2003 auf eigene Kosten einen 800 Meter langen Tunnel unter der Warnow verlegen. Damit wird ein Straßenring um die Rostocker City geschlossen, der den Verkehr entkrampfen soll. Die künftigen Betreiber rechnen mit bis zu 30 000 Autos pro Tag.

Den ersten Bodenaushub für das 420 Millionen Mark teure Großprojekt nahm der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesbauministerium, Siegfried Scheffler (SPD), mit einem Bagger vor. "Der Tunnel ist das erste Fernstraßenprojekt in Deutschland, bei dem ein privater Investor als Planer, Bauherr und späterer Betreiber wirkt", sagte er. Die künftige Maut für jede Durchfahrt sei kein Abkassieren. Die Gebühren ermöglichten das Finanzierungsmodell erst. Damit werde der Tunnel deutlich früher fertig als mit öffentlicher Finanzierung.

Bereits 1996 hatte die Stadt einen Konzessionsvertrag über 30 Jahre mit der Warnowquerung GmbH & Co. KG (WQG) geschlossen. Die WQG gehört dem französischen Baukonzern Bouygues Travaux Publics SA und zu einem geringen Teil der australischen Macquarie Infrastructure Group. In dieser Zeit muss die WQG alle ihre Kosten durch eine Maut eingespielt haben. Die Maut wird laut WQG tagsüber pro Auto rund vier Mark in heutigen Preisen kosten und muss vom Bundesverkehrsministerium jeweils genehmigt werden. Nach Ablauf der Konzession wird der Tunnel der Stadt übergeben.

Nach Angaben der Deutschen Bank stellen die WQG-Eigner 91 Millionen Mark Eigenkapital zur Verfügung, weitere 38 Millionen Mark kommen aus Fördergeldern der Europäischen Union. Die Stadt trägt von den 417 Millionen Mark Gesamtkosten lediglich 13 Millionen Mark. Sie fallen für nachträglich projektierte Radwege und Lärmschutzmaßnahmen an. Die übrigen 275 Millionen Mark werden durch Kredite der Deutsche Bank, die Norddeutsche Landesbank und die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) finanziert. Sie tragen demnach auch das Risiko, das durch ein geringeres Verkehrsaufkommen als geplant entstehen könnte. Für den Bau des Tunnels sei ein Festpreis vereinbart, hieß es bei der Deutschen Bank.

0 Kommentare

Neuester Kommentar