Wirtschaft : „SPD hat den Mittelstand links liegen lassen“

Handwerks-Präsident Kentzler über die Versäumnisse der Sozialdemokraten

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Herr Kentzler, bringen Sie die Politik der SPD und den Begriff „soziale Marktwirtschaft“ zusammen?

Nicht alles, aber manches bei der SPD erinnert eher an Planwirtschaft, etwa die unverhältnismäßige Ausweitung des zweiten Arbeitsmarktes.

Geben Sie der Bundesregierung die Schuld für die Krise Ihrer Branche?

Wir packen uns auch an die eigene Nase, arbeiten müssen wir besonders an Servicequalität und Kundenorientierung. Aber uns fehlt die Perspektive. Wir brauchen mittelstandsfreundliche Rahmenbedingungen, die davon ausgehen, dass wir in der Regel „lebenslang Deutschland“ haben. In sieben Jahren Rot-Grün haben die Handwerksbetriebe 1,5 Millionen Stellen streichen müssen. Die Lage bleibt schlimm, das Auftragspolster vieler Firmen reicht nur noch für fünf bis sechs Wochen. Das werde ich der SPD am Montag auf ihrem Kongress auch vorhalten.

Was hätte die Regierung tun sollen?

Die großen Strukturreformen wurden nicht umgesetzt. Und was wir jetzt brauchen, sind Aufträge. Allein Bau und Ausbau verzeichnen 75 Prozent aller Arbeitsplatzverluste im Handwerk. Da muss man gegensteuern – etwa durch Ausweitung der steuerlichen Absetzbarkeit von haushaltsnahen Handwerks-Dienstleistungen. Bis zu 600 Euro könnte man so vom Finanzamt zurückbekommen. So wären 40000 Jobs entstanden, denn die Schwarzarbeit wäre zurückgegangen.

Fühlen Sie sich im Stich gelassen?

Die SPD hat den Mittelstand links liegen gelassen. Damit hat sie auch ihre Stammwähler aus den Augen verloren. Hunderttausende Arbeiter haben ihre Jobs verloren. Hätte die SPD mehr auf soziale Marktwirtschaft, einen schlanken Staat und geringere Abgaben gesetzt, ginge es uns besser. Für die Wettbewerbsfähigkeit exportstarker Konzerne hat sie etwas getan. Der Binnenmarkt wurde vernachlässigt.

Otto Kentzler ist seit Januar Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Er führt in Dortmund einen Betrieb für Bedachung und Bau. Mit Kentzler sprach Carsten Brönstrup.

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