Wirtschaft : Spediteure befürchten Kostenschub

Bonn - Die deutschen Spediteure fürchten durch neue EU-Vorschriften zu Arbeitszeiten der Lkw-Fahrer Belastungen in Milliardenhöhe. Nach einer Studie des Fraunhofer-Instituts ATL hätten die EU-Sozialvorschriften zusätzliche Kosten von 4,7 Milliarden Euro pro Jahr zur Folge, erklärte der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV) am Mittwoch in Bonn. Das wäre ein Plus von 9,4 Prozent. So würden unter anderem 50 000 zusätzliche Fahrer gebraucht. Das neue EU-Recht sieht unter anderem eine Verkürzung der durchschnittlichen zulässigen Wochenarbeitszeit von 56,5 auf 48 Stunden vor.

Durch Rationalisierung in der Branche seien die fälligen Kostenbelastungen nicht mehr aufzufangen, sagte DSLV-Präsident Michael Kubenz bei der Vorstellung der Studie. Nach dem Dieselpreisschock und der Lkw-Maut rolle mit der Umsetzung des neuen Fahrpersonalrechts auf den Straßengütertransport in kurzer Zeit „eine weitere mächtige Kostenlawine“ zu. Die Lkw-Maut koste die deutsche Wirtschaft gut zwei Milliarden Euro pro Jahr. Gestiegene Dieselkraftstoffkosten hätten sich mit mehr als vier Milliarden Euro pro Jahr ausgewirkt. Der Staat habe aus der Arbeitszeit von Lkw-Fahrern ein „teures Gut“ gemacht, sagte er.

Kostentreibend wirkten sich daneben neue Lenk- und Ruhezeiten aus. Durch die Reduzierung der erlaubten durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeiten auf künftig 48 Stunden müssten zusätzliche Fahrer, Fahrzeuge und Fahrten eingesetzt werden. In Deutschland würden etwa 50 000 Lkw-Fahrer zusätzlich benötigt, das wäre ein Plus von 20 Prozent. Der Arbeitsmarkt sei aber so gut wie leer gefegt.

Laut der Studie erhöhten auch die oft langen Wartezeiten der Fahrer an den Laderampen der Auftraggeber – etwa im Einzelhandel – die Kosten. Diese Engpass-Situation müsse dringend verbessert werden, sagte der DSLV-Präsident. „Wartende Lkw kommen mit bis zu 60 Euro in der Stunde jetzt teurer zu stehen als je zuvor.“ AFP/dpa

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