Wirtschaft : Spekulation kostet West LB 600 Millionen

Berlin - Drastische Verluste im Aktienhandel in Höhe von 604 Millionen Euro haben der West LB das Ergebnis im ersten Halbjahr verhagelt. Zudem hat das Institut für riskante Geschäfte im US-Hypothekenmarkt eine Risikovorsorge von 50 Millionen Euro gebildet. Unter dem Strich weist die drittgrößte Landesbank Verluste in Höhe von 170 Millionen Euro aus. Im Vorjahreszeitraum wurde noch ein Überschuss von 136 Millionen Euro erzielt. Zum Vergleich: Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) als größte Landesbank steigerte ihren Überschuss im ersten Halbjahr von 388 Millionen auf 473 Millionen Euro.

Für die weitere Entwicklung ist der neue Vorstandschef der West LB, Alexander Stuhlmann, positiv gestimmt. Die Ertrags- und Kostenentwicklung der Bank sei so, dass „wir aus heutiger Sicht trotz der hohen Sonderbelastungen durch die Ereignisse im Eigenhandel davon ausgehen können, 2007 ein positives Jahresergebnis vor Steuern zu erreichen“, sagte Stuhlmann dem „Handelsblatt“. Die Aussage steht unter der Prämisse, dass sich „die Krise an den internationalen Verbriefungs- und Geldmärkten nicht verschärft“. Im ersten Halbjahr sank das Vorsteuerergebnis von 239 Millionen auf minus 38 Millionen Euro. Die Ratingagentur Standard & Poors hält Stuhlmanns Prognose auch daher für sehr unsicher.

Die West LB ist seit den misslungenen Spekulationsgeschäften angeschlagen. Sie wird als Übernahmekandidat gehandelt. Doch derzeit sind die Eigner, die beiden Sparkassenverbände in Nordrhein- Westfalen und die Koalitionsregierung von CDU und FDP, über den künftigen Kurs zerstritten. Befürworten die Sparkassen eine Fusion mit der LBBW, will die Regierung weitere Möglichkeiten ausloten.

Kritisch bleibt die Ratingagentur Fitch eingestellt. Die Bank habe im ersten Halbjahr zwar Fortschritte im Zins- und Provisionsergebnis und bei der Reduzierung der Verwaltungskosten erzielt. „Dennoch und auch ohne den dämpfenden Effekt aus den Eigenhandelsverlusten bleibt das operative Ergebnis der West LB weiterhin schwach und von Ergebnisbestandteilen geprägt, die wir als nicht nachhaltig ansehen“, erklärte Fitch- Analystin Andrea von Schnurbein. Dazu gehörten etwa Veräußerungsgewinne aus Private-Equity-Transaktionen und Handelsgewinne. Fitch würde ein Zusammengehen der West LB mit einem starken Partner positiv beurteilen. Ein höherer Anteil des kleinteiligen Geschäftes würde dazu beitragen, die Stabilität der Bank zu erhöhen. fmd (HB)

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