Spekulation : Rohstoffpreise bedrohen die Bäcker

Die gestiegenen Rohstoffpreise belasten die Backbranche, die ohnehin schon unter Druck steht. Deren Zentralverband wünscht sich, dass die Spekulation eingedämmt wird.

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Berlin - „Ob Nüsse, Mehl, Butter oder Eier – eigentlich ist alles teurer geworden“, sagt Max Pölkow, Inhaber der Konditorei „Sowohl als auch“ im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Noch im Januar hat er für das Kilo Mehl knapp 30 Cent gezahlt, heute sind es fast 40 Cent. „Der Hauptpreistreiber bei uns ist aber Butter, weil wir davon viel für unsere Kuchen und Torten brauchen“, sagt Pölkow. Zuletzt hat die Konditorei, zu der auch ein Café gehört, im Februar ihre Preise angehoben, bald könnte die nächste Erhöhung kommen.

Die meisten Rohstoffe, die in der Backstube verwendet werden, sind in diesem Jahr teurer geworden. Der Weizenpreis etwa verdoppelte sich an den Warenterminbörsen im Laufe des Jahres. Dazu trugen Naturkatastrophen wie die Dürre und die schweren Brände in Russland sowie schlechte Ernten und Überschwemmungen in Kanada bei. Weil ein Teil des Weizens vernichtet oder wegen schlechter Qualität zu Futtermittel verarbeitet wurde, mussten weltweit Lagerbestände abverkauft werden – zu höheren Preisen. Auch der weltweite Trend, immer mehr Biosprit anzubauen, verringert die Anbaufläche für Nahrungsmittel.

Aber auch die Spekulanten an den Warenterminbörsen, an denen Agrarrohstoffe gehandelt werden, trieben den Preis der wichtigsten Getreidesorte. „Bis zum Sommer waren die Anleger beim Weizenpreis negativ gestimmt und haben dementsprechend viele Leerverkäufe getätigt“, sagt der Rohstoffanalyst der Commerzbank, Eugen Weinberg. Nachdem der Preis in die Höhe geschnellt war, mussten die Händler die zuvor verkauften Weizenkontrakte zurückkaufen. „Das hat den Preis zusätzlich getrieben“, sagt Weinberg. Was für Weizen gilt, gilt auch für alle anderen Getreidesorten wie Roggen oder Mais. „Die Anleger investieren gern in Agrarrohstoffe“, sagt Weinberg. „Einige setzen auf das starke Wachstum in Asien und den steigenden Bedarf an Ölen, Fetten und Fleisch. Die anderen wollen sich vom schwachen US-Dollar, vor Inflations- und anderen Risiken schützen. Denn gegessen wird ja immer, daher sind die Agrarrohstoffe gewissermaßen krisensicher“. Die Zentralbanken pumpen derzeit billiges Geld in die Wirtschaft. Zudem laufen die Aktienindizes wegen starker Unternehmenszahlen gut.

Ähnlich wie bei den Weizenpreisen verhält es sich auch beim Zucker. Der Preis pro Kilogramm hat sich seit dem Sommer verdoppelt und liegt derzeit bei 23 Cent pro britischem Pfund. Milch, Butter und auch Sahne legten zwischen 20 und 25 Prozent im Vergleich zum Jahresbeginn zu. Der Milchindustrie-Verband (MIV) führt den Preisanstieg auf bessere Absatzmöglichkeiten zurück. „Die Nachfrage ist derzeit ausgeglichen groß“, sagt MIV-Referent Björn Börgermann. Allerdings hätten die Bauern im vergangenen Jahr so wenig verdient wie nie zuvor. „2009 waren die Preise für Milch, Sahne und Butter historisch niedrig“, sagt Börgermann. Die Klagen der Bäcker über die gestiegenen Preise hält er für unbegründet. „Im vergangenen Jahr haben die Bäcker die Preise auch nicht gesenkt“, kritisiert Börgermann.

Der Zentralverband des Bäckerhandwerks hält dagegen.„Der Preis setzt sich durch viele Faktoren zusammen. Die Rohstoffe machen nur 25 Prozent aus“, sagt Hauptgeschäftsführer Amin Werner. Preistreibend seien die Energiekosten und auch die Tariferhöhungen der vergangenen Monate gewesen. „Die starken Rohstoffschwankungen haben das Fass nun zum Überlaufen gebracht“, sagt Werner. „Deshalb fordern wir von der Politik, Mechanismen zu finden, um die massiven Preisausschläge durch die Rohstoffspekulation in den Griff zu bekommen.“

Viele Produkte in den Backstuben, die indirekt von den verteuerten Rohstoffen abhängen, haben ebenfalls angezogen. „Hefe wird mit Melasse hergestellt, ein Abfallprodukt der Zuckerproduktion“, erklärt Werner. Bei diesem Stoff und bei Backfetten komme hinzu, dass man sie auch verspritten könne – auch das verknappe zusätzlich das Angebot. Zudem seien die Bäckereien in diesem Jahr durch den scharfen Wettbewerb unter Druck geraten. „Die durchschnittlichen Preise sind 2010 gesunken, weil die Discounter die Preise gesenkt haben“, sagt Werner. Bei vielen Verbrauchern zähle eben nur der „ruinöse Discounterpreis bei der Kaufentscheidung“, sagte Werner.

Bei den rund 14 500 unabhängigen Bäckereien in Deutschland könnten bald die Preise steigen. „Klar ist, dass das Handwerk diese Steigerungen bei den Einkaufspreisen auf Dauer nicht verkraften kann.“ Die Großbäckereien hatten bereits im September Preiserhöhungen von etwa fünf Prozent angekündigt.

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