Wirtschaft : Spekulationen über akuten Kreditbedarf bei Kirch

Banken warten auf Brüsseler Entscheid zum Pay-TV MÜNCHEN (um/HB).Meldungen der Süddeutschen Zeitung, wonach mehrere Banken der Münchener Kirch-Gruppe Großkredite zur Bewältigung "gravierender Liquiditätsprobleme" verweigern, werden von dem Münchener Filmhändler als "ebenso häßliche wie durchsichtige Kampagne" bezeichnet.Bei dem Bericht handle es sich um den "Versuch, eines der erfolgreichsten europäischen Medienunternehmen durch unlauteren journalistischen Wettbewerb systematisch wirtschaftlich zu beschädigen und in seiner weiteren Entwicklung zu behindern", erklärte die Kirch-Gruppe am Mittwoch.Die Zeitung wiederum beruft sich auf einen Vermerk von Kirch-Finanzchef Herbert Schroder vom Oktober 1997, wonach die Gespräche mit den Banken durch laufende Ermittlungen wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung "erheblich negativ beeinflußt" würden.Kirch soll dem Fiskus nach einem milliardenschweren Verkauf von Filmrechten 400 Mill.DM an Steuern vorenthalten haben.Dabei sollen über die Kirch-Tochter Taurus-Film GmbH die Rechte von 2500 Filmen zum Preis von 520 Mill.Schweizer Franken an die schweizerische MH Medien-Handels AG, Zug, verkauft worden sein, die indirekt Kirchs Schweizer Geschäftsfreund Otto Beisheim gehört.Wenige Monate später soll Beisheim die Rechte wieder für 1,6 Mrd.DM an die im Einflußbereich von Kirch beziehungsweise seinem Sohn Thomas liegenden Privatsender SAT 1 und Pro Sieben verkauft haben.Bei einer Durchsuchung im März 1997 sollen Hinweise über unzulässige Gewinnverschiebungen in die Schweiz gefunden worden sein.Nach Angaben der Münchener Staatsanwaltschaft dauern die Ermittlungen noch an.Im März 1997 wollte Kirch seine Kreditbeziehungen mit verschiedenen Banken in einem Konsortialkredit poolen, an dem die dem Freistaat gehörende Landesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA) sich mit einer halben Mrd.DM beteiligen wollte.Nach heftiger öffentlicher Kritik hatte die Kirch-Gruppe auf den LfA-Anteil verzichtet.Seither war immer wieder über eine Finanzkrise spekuliert worden.Probleme bereitet vor allem der Einstieg ins Pay-TV.In sein digitales Fernsehen DF 1 hat Kirch Milliarden investiert.Die geplante Kooperation mit der Bertelsmann-Gruppe, wonach DF 1 im Bertelsmann-Sender Premiere aufgehen soll und die beiden Konzerne dadurch ihre Konkurrenz beim Pay-TV beenden wollen, ist beim Brüsseler Wettbewerbskommissar Karel van Miert bisher auf Skepsis gestoßen.Das schwebende Brüsseler Verfahren dürfte in Bankenkreisen weitaus stärker beachtet werden als die laufenden Steuerermittlungen.Wie zu hören ist, sei deshalb die Neigung, neue Kredite zu vergeben, derzeit sehr gering.Andererseits ist den Banken nicht bekannt, daß die Kirch-Gruppe Liquiditätsprobleme hat.So erklärt ein Sprecher der Bayerischen Vereinsbank, eine Ausweitung der Kreditlinien stehen derzeit nicht an, doch habe sich an dem Engagement grundsätzlich nichts geändert.Laut einem internen Papier, das 1997 vom Manager Magazin veröffentlicht wurde, dürfte sich das Kreditengagement der Bank bei Kirch auf 375 Mill.DM belaufen.

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