Wirtschaft : Spekulationen um Altana

Konzern will Pharmasparte angeblich für sieben Milliarden Dollar verkaufen

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Frankfurt am Main Die Altana AG denkt offenbar über einen Verkauf ihrer Pharmasparte nach. Darauf deuten zumindest Medienberichte und die ausweichenden Reaktionen des Unternehmens. Nach einem Bericht der Wirtschaftszeitung „Wall Street Journal“ erwägt der Konzern, seine Pharmatochter im Rahmen einer Auktion zu einem Preis von etwa sieben Milliarden Dollar (5,8 Milliarden Euro) komplett zu verkaufen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters hat Altana Gespräche mit Investmentbanken aufgenommen, aber noch keinen Verkaufsprozess eingeleitet.

Ein Sprecher von Altana wollte diesen Bericht am Dienstag nicht kommentieren. Er verwies auf Aussagen des Vorstandes, das Pharmageschäft durch Akquisitionen, Einlizenzierung neuer Produkte oder auch durch Kooperationen und strategische Allianzen weiter auszubauen. Für entsprechende Schritte stehe ein Finanzierungsspielraum von einer Milliarde Euro zur Verfügung, hatte Vorstandsvorsitzender Nikolaus Schweickart vor wenigen Wochen betont.

Auch ein Sprecher der Familie Quandt wollte die Berichte weder bestätigen noch dementieren. Altana befindet sich zu etwas mehr als 50 Prozent im Besitz der Quandt-Erbin Susanne Klatten.

Eine völlige Trennung von der Pharmasparte wäre eine klare Kehrtwende in der Strategie von Altana. Das Unternehmen würde in diesem Fall praktisch auf ein Chemieunternehmen reduziert und die geplante Abspaltung der Chemiesparte damit obsolet.

Darum zeigten sich Analysten zum Teil skeptisch. Ein Verkauf erscheine sehr unwahrscheinlich, sagte zum Beispiel Thomas Brenning von Helaba Trust. „Angesichts der Tatsache, dass man gerade versucht, das Pharmageschäft voranzubringen, würde ein Verkauf aus unserer Sicht auch keinen Sinn machen.“

Als naheliegender Kandidat für eine Übernahme der Altana Pharma AG gilt in erster Linie der US-Konzern Wyeth, der das wichtigste Altana-Produkt, das Magenmedikament Pantozol, in den USA vertreibt. Pantozol erzielt mehr als die Hälfte des Pharmaumsatzes von Altana. Durch die Partnerschaft mit Wyeth befindet sich das interessanteste Produkt von Altana praktisch in festen Händen. „Vor diesem Hintergrund erscheint fraglich, ob Altana für andere große Pharmakonzerne überhaupt interessant sein könnte“, so Christian Wenk, Pharmaexperte der Ratingagentur Standard & Poors.

Altana machte zuletzt knapp drei Milliarden Euro Umsatz, davon 805 Millionen Euro mit den Chemieaktivitäten, die kürzlich durch den Erwerb der Eckart-Gruppe in Fulda ausgebaut wurden. Im Pharmageschäft wächst der Konzern weiterhin solide um etwa neun Prozent im bisherigen Verlauf des Jahres. Für Enttäuschung sorgte in den vergangenen Monaten jedoch die Tatsache, dass sich die Zulassungsverfahren für die beiden Asthma-Produkte Daxas und Alvesco verzögerten. Der US-Konzern Pfizer ist zur Jahresmitte aus einer Vertriebs-Partnerschaft für Daxas ausgestiegen. Fachleute bezweifeln daher, dass Altana die Umsatzdelle auffangen kann, die mit dem Patentablauf bei Paetzold gegen Ende des Jahrzehnts bevorsteht. „Insofern könnte jetzt ein guter Zeitpunkt sein, das Unternehmen zum Verkauf zu stellen“, sagte Martin Schloh, Partner bei der Unternehmensberatung Roland Berger. shf (HB)

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