Wirtschaft : Spekulationen um Tank & Rast

MARGARITA CHIARI

BONN/BERLIN .Die kurze Meldung ließ aufhorchen.Bei der anstehenden Privatisierung der Tank & Rast AG, der noch bundeseigenen Gesellschaft für die Autobahnbetriebe, seien die Würfel gefallen, meldete der Aachener Privatsender "100,eins".Das federführende Bundesverkehrsministerium habe sich für das japanische Wertpapierhaus Nomura entschieden.In Bonn reagierte man am Montag prompt: "Kompletter Blödsinn", so der knappe Kommentar eines Sprechers.Die Verhandlungen mit den Bewerbern liefen, mit einer Entscheidung vor den Wahlen sei aber "eher nicht" zu rechnen.

Kein Wunder.Denn der Verkauf des Unternehmens, dem die rund 720 Autobahn-Raststätten, Tankstellen und Motels gehören und das 1997 einen Gewinn vor Steuern von 40 Mill.DM erzielte, ist zu einem heiklen Politikum geworden.Die Japaner haben laut unbestätigten Meldungen mit angeblich 2,2 Mrd.DM das mit Abstand höchste Angebot abgegeben.Sollten sie aber den Zuschlag bekommen, drohen die mittelständischen Tankstellenpächter, die sich im Verbund mit der Mineralölindustrie um die Übernahme bewerben, mit dem "offenen Protest unserer Mitglieder - auch auf Autobahnen und während des Wahlkampfes".Es könne nicht sein, monierten sie in einem Brief an den am Verfahren beteiligten Bundesfinanzminister, daß nicht das beste Konzept, sondern ein "völlig überzogenes" Preisgebot ausländischer Finanzinvestoren gewählt werde.

Insgesamt sind noch vier Konsortien im Spiel.Neben Nomura und der Gruppe der Mineralölindustrie und Tankstellenpächter bewerben sich auch die Raststättenpächter, die sich mit dem ADAC, dem Gastronomiekonzern Mövenpick und Mövenpick-Mehrheitsaktionär August von Finck verbündet haben, sowie eine Finanzgruppe rund um die Allianz-Versicherung.Worauf die mittelständischen Bewerber hoffen, sind die Vorgaben, die die Bundesregierung Ende 1997 für die Privatisierung machte.Demnach soll die Tank & Rast AG als Einheit ebenso erhalten bleiben wie die mittelständische Pächterstruktur.Ein Monopol dürfe nicht entstehen.

So rechnen sich auch die Raststätten-Pächter weiter Chancen auf einen Zuschlag aus."Wir erfüllen die ordnungspolitischen Auflagen am besten", sagte der Geschäftsführer der Fachabteilung Autobahnraststätten im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), Hans Henning, anläßlich der Jahreshauptversammlung der Raststätten-Pächter am Montag in Köln.Man darf gespannt bleiben.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar