Wirtschaft : Spenden aus Investmentfonds

ANKE REZMER (HB)

Ethik-Expertin kritisiert aber die Erwirtschaftung der hohen Fonds-Erträge als "problematisch"ANKE REZMER (HB)

Einige deutsche Investmenthäuser bieten Fonds an, die Mittel an caritative, soziale oder Umweltschutz-Einrichtungen überweisen.Zusätzlich zum guten Gewissen bescheren die Anlagen dem Käufer teils zweistellige Renditen.Allerdings fehlt auch hier der Wermutstropfen nicht: Oft achteten Fondsmanager nicht darauf, daß Fondserträge ethisch so sauber erwirtschaftet würden, wie die geförderten Einrichtungen sie verwendeten, moniert Antje Schneeweiß von der Ethik-Ratingagentur Südwind aus Siegburg. Der überwiegend in deutsche Anleihen investierende Pro Mundo Fonds der Union Investment unterstützt mit seinem Fondsvermögen von aktuell 55,9 Mill.DM und einer Wertsteigerung von 3,5 Prozent in den zwölf Monaten bis November 1997 vier kirchliche Hilfswerke: das Päpstliche Missionswerk der Kinder in Deutschland, die Malteser Hilfswerke, das Bischöfliche Hilfswerk Misereor oder Missio Internationales Katholisches Missionswerk.Aus Anteilen, die im Uniondepot liegen, überweist die Union die Erträge automatisch an das vom Anleger bestimmte Hilfswerk ­ gegen Spendenquittung.Der zweite Union-Spendenfonds, der DKU-Fonds, mit einem Vermögen von 4,8 Mill.DM und einer Wertentwicklung von 13,2 Prozent bis November 1997, fördert Unicef Deutschland.Aus dem Uniondepot fließt die Hälfte der Erträge automatisch an das Kinderhilfswerk.Zu 74 Prozent liegen Renten im Fondsdepot, gut 18 Prozent des Vermögens machen internationale Aktien aus, u.a.Bayer, Daimler, Glaxo Wellcome und Unilever.Die Deutsche Bank-Tochter DWS bietet drei Spendenfonds an: Aus dem 269 Mill.DM-schweren GKD-Fonds ­ einem Mischfonds ­ der in den vergangenen zwölf Monaten eine Perfomance von 23,15 Prozent erzielte, kann der Anleger seine Erträge oder auch Fondskapital gegen Spendenquittung an SOS-Kinderdörfer spenden.Der DWS Bildungsfonds sieht vor, aus den Erträgen private Bildungseinrichtungen nach Wunsch des Anlegers zu unterstützen.Das Vermögen beträgt 11 Mill.DM, die 12-Monats-Performance liegt bei 23,82 Prozent.Beide Fonds haben derzeit rund 58 Prozent in deutschen Blue Chips im Depot, der Rest sind DM-Staatspapiere.Der im Oktober aufgelegte Panda Renditefonds DWS hat derzeit nur Anleihen im Depot.Die Besonderheit bei diesem Fonds: Ein Prozent des Ausgabeaufschlags kommt dem WWF zu.Die Deka schüttet Erträge ihres DM-Rentenfonds Deka Lux Pro Missio (Vermögen: 30,8 Mill.DM) an Missio aus, die die Mittel nach Bedarf einsetzt.Der Anleger sieht davon nichts, und erhält auch keine Spendenquittung.Zum 30.Juni 1997 gab die Deka die Rendite der Papiere mit mittlerer Laufzeit insgesamt mit 4,3 Prozent an.Alle Gesellschaften erheben einen Ausgabeaufschlag bis zu 4 Prozent (GKD-Fonds) und eine Managementgebühr bis zu 0,7 Prozent (Panda-Fonds).Expertin Schneeweiß lobt, daß viele geförderte Einrichtungen das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen erhielten.Ihr fehlt jedoch die Ethik bei der Geldanlage: "Industrieanleihen von Esso oder Bayer- oder Daimler-Aktien halte ich für höchst problematisch." Trotz aller Kritik resümiert sie: "Gut, daß es die Fonds gibt."

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben