Spenden : Kindernothilfe informiert vorbildlich

Dei Unternehmen spenden wieder mehr - und legen Wert auf Transparenz. Die Unternehmensberater loben die Offenlegung der deutschen Organisationen.

Juliane Schäuble

Berlin - Deutsche Unternehmen werden in diesem Jahr voraussichtlich mehr Geld spenden als im vergangenen Jahr. Laut einer Studie, die die Unternehmensberatung Price Waterhouse Coopers (PWC) am heutigen Mittwoch vorstellt, lag bei 13 Prozent der 500 befragten börsennotierten Gesellschaften das Budget für Spenden demnach höher als 2006. 80 Prozent spendeten genauso viel. Im Schnitt ließen die Unternehmen deutschen Organisationen rund 555 000 Euro zukommen – mit 80 Prozent erhielten Jugend- und Bildungsprojekte dabei den Löwenanteil. Knapp zwei Drittel der Firmen hätten kulturelle Aktivitäten unterstützt, 60 Prozent lokale Projekte, rund die Hälfte den Breiten-, Jugend- oder Behindertensport.

60 Prozent der Unternehmen verfügen PWC zufolge mittlerweile über interne Spendenrichtlinien. Dabei entscheide meist der Chef, heißt es in der Studie, wobei mehr als zwei Drittel Empfänger bevorzugten, die über die Verwendung der Spenden umfangreich informieren.

Auch Privatpersonen spenden laut Deutschen Spendenrat wieder mehr – gleichzeitig wachse das Misstrauen in die rund 3000 überregional tätigen Organisationen, die hierzulande Spenden sammeln. Ein Grund: Informationen etwa über Vorstandsbezüge oder die genaue Verwendung der Gelder werden nur auf freiwilliger Basis veröffentlicht. Anders als Firmen müssen Hilfsorganisationen keine Bilanzen vorlegen. „Spender sollten wissen, was mit ihrem Geld geschieht“, mahnt PWC-Vorstandssprecher Hans Wagener.

Daher hat PWC gemeinsam mit der Universität Göttingen einen Kriterienkatalog entwickelt, um Jahresberichte von Spendenorganisationen zu analysieren. Mit einem „Transparenzpreis“ wird seit zwei Jahren ausgezeichnet, wer sich besonders vorbildlich in die Bücher schauen lässt. Mustergültig ist da die Kindernothilfe – der diesjährige Sieger. Bei der Preisverleihung am Dienstag in Berlin lobte Wagener die „rasante Aufholjagd“: 2006 belegte die Kindernothilfe, die 46,5 Millionen Euro sammelte, den dritten Platz. Beispielhaft seien die Angaben zu Werbe- und Verwaltungsaufwendungen, auch der Tätigkeitsbericht zähle zu den besten, zitierte Wagener aus der Begründung der Jury. Verbesserungswürdig sei, dass die Bezüge der Organmitglieder bislang nur in einer Summe veröffentlicht würden.

Auf dem zweiten und dritten Platz folgen die Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen (Spendenaufkommen 2006: 28,4 Millionen Euro) und Care International Deutschland (3,4 Millionen Euro). Die Auszeichnung ist mit insgesamt 30 000 Euro dotiert. An dem Wettbewerb, der erstmals öffentlich ausgeschrieben wurde, beteiligten sich 43 Organisationen, die besten zehn wurden namentlich erwähnt (siehe Grafik).

Alles in allem zog die Jury ein positives Fazit: Danach informieren deutsche Hilfsorganisationen ihre Spender deutlich besser über die Verwendung der Gelder als noch 2006.Juliane Schäuble

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