Wirtschaft : "Sperrklinkeneffekt" bremst die Renditen

REGINE PALM (HB)

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe wird nach Einschätzung der Bankgesellschaft Berlin bis zum Jahresende voraussichtlich auf etwa 4,30 Prozent (20.August: 4,40 Prozent) zurückgehen.Die Analysten führen als Gründe die Entwicklung an den Krisenherden in Rußland und Asien - vor allem in Japan - an, die zum Einbruch an den Aktienmärkten geführt und die Kapitalströme auf den Rentenmarkt kanalisiert hätten.Als Folge davon seien die Renditen bereits deutlich gefallen.Bei diesem Rückgang handele es sich um einen "Sperrklinken-Effekt": beim Abflauen der Krise klettern die Renditen nicht auf ihre altes Niveau zurück.Die Banker erwarten vielmehr eine dauerhafte Niveau-Verschiebung nach unten.

Der Untersuchung liegen drei Hauptszenarien zugrunde, die darauf basieren, daß die Regierungsumbildung in Japan nicht ausreicht, um Vertrauen an den Märkten zu gewinnen.So sei der Yen bereits vorübergehend unter sein Tief von Mitte Juni zurückgefallen.Durch die Yen-Schwäche wachse aber die Gefahr einer Abwertung des chinesischen Yuans und einer Ausbreitung der Krise.Aufgrund dieser Entwicklung würden die Rentenmärkte in Europa und den USA unterstützt und die internationalen Aktienmärkte belastet.

Eine Eintrittswahrscheinlichkeit von nur zehn Prozent hat nach Ansicht der Bankgesellschaft das Szenario, daß sich die Lage in Japan im Jahresverlauf schnell verbessert.Dies würde voraussetzen, daß die Notenbanken koordinierte Maßnahmen ergreifen.Der Yen könnte dadurch an Glaubwürdigkeit gewinnen.Damit würden sich die asiatischen Währungen insgesamt erholen.Gleichzeitig würden sich die internationalen Aktienmärkte zügig erholen, dadurch das US-Verbrauchervertrauen gestärkt und die konjunkturelle Abkühlung in den USA nur mäßig ausfallen.Bei zunehmenden Inflationsängsten würde die US-Notenbank Fed zu einer Zinserhöhung neigen.Auch in Europa würden sich die Aktien erholen, das Kapital aus dem Rentenmarkt abfließen.Mit dem sich abzeichnenden positiven Konjunkturbild verschwänden die Gründe, die für steigende Rentenkurse sprechen.Der Inlandsmarkt würde den Save-haven-Bonus verlieren, die zehnjährige Bundesanleihe auf Dreimonatssicht mit 4,70 Prozent rentieren.

Wahrscheinlicher (60 Prozent) sei indes eine allmähliche Stabilisierung in Japan.Dabei könne der Yen noch nicht an Stärke gewinnen und die Bedrohung einer Yuan-Abwertung bliebe bestehen.Zwar setze keine Abwertungsspirale ein, doch blieben Asien und Rußland Krisenherde.Ein massiver Kapitalrückfluß nach Asien und in Emerging Markets würde nicht stattfinden, die Rentenmärkte dadurch unterstützt.Bei moderaten Wachstums- und Inflationsaussichten in den USA bildeten sich die Erwartungen einer US-Zinserhöhung zurück.Mit europäischen Leitzinsen auf einem Niveau von 3,50 Prozent Ende 1998 blieben die Aussichten in Europa ebenfalls gemäßigt.Günstig wirke sich dies für die Rentenmärkte aus.Die Risikoprämien sänken langsam.Mit dem positiven Einfluß aus den USA fielen die Renditen (10j.Bund) in diesem Fall auf 4,3 Prozent.

Gelingt die Stabilisierung in Japan nicht (Wahrscheinlichkeit von 30 Prozent), wäre die Folge eine Abwertungsspirale in Asien.Die Flucht in Qualitätstitel setzt sich dann fort: Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt auf Dreimonatssicht nur noch bei vier Prozent.

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