Spiele : Bretter, die das Geld bedeuten

"Zooloretto" wurde zum "Spiel des Jahres 2007" gekürt. Die Auszeichnung katapultiert die Verkaufszahlen nach oben.

Oliver Voss
Zooloretto
Spiel und Erfinder: Michael Schacht und "Zooloretto". -Foto: dpa

BerlinDer größte Verlierer bei der Wahl zum „Spiel des Jahres 2007“ ist Knut. Die Kritiker kürten am Montag „Zooloretto“ zu ihrem Favoriten, ein Spiel, bei dem man in die Rolle eines Zoodirektoren schlüpft – doch auf der Schachtel ist ein Panda abgebildet und kein Eisbär. „Wir hatten auf dem Probetitel sogar einen Eisbären“, sagt Joe Nikisch, Chef des Verlages Abacusspiele. Die Entscheidung fiel Ende 2006, kurz vor der Knut-Euphorie. Die Macher fanden den Panda niedlicher, außerdem ist bei dem Spiel selbst kein Eisbär dabei. Im Nachhinein sei das eigentlich eine Fehlentscheidung, sagt Nikisch. Doch auch ohne den Knut-Effekt wird sich das Spiel von nun an hervorragend verkaufen.

Der Oscar der Spielebranche ist so werbewirksam wie sein Pendant aus Hollywood. Etwa 500 neue Gesellschaftsspiele kommen jährlich in die Spielwarenläden. Viele Käufer orientieren sich in der Fülle anhand des roten Siegerspiellogos. Die normale Auflage liege zwischen 5000 und 10.000 Exemplaren, sagt Nikisch. Mit der Auszeichnung erwartet er eine Steigerung um das Dreißig- bis Vierzigfache. Vom Sieger des Vorjahres „Thurn und Taxis“ gingen bisher mehr als 400 000 Stück über die Ladentheke. Auch deswegen konnte Schmidt Spiele seinen Umsatz im vergangenen Jahr um mehr als zehn Prozent auf 32,5 Millionen Euro steigern.

Von solchen Zahlen kann Joe Nikisch nur träumen. Er hat den Abacusspiele- Verlag 1989 gegründet und betreibt das Unternehmen im hessischen Dreieich mit drei Mitarbeitern. „Aber jetzt werden wir auch von den Großen ernst genommen“, glaubt Nikisch.

„Huch & Friends“ ist ein noch jüngerer Verlag, seit drei Jahren werden aus dem schwäbischen Günzburg ausländische Spiele oder kleine Raritäten vertrieben. Ein Beispiel dafür ist „Beppo der Bock“, das zum „Kinderspiel des Jahres“ gewählt wurde. Die Firma „Oberschwäbische Magnetspiele“ hat das Spiel entwickelt. Mithilfe einer Metallkugel und einem magnetischen Untergrund schießt man einen Ziegenbock über das Spielfeld. Je nachdem, wie er landet, darf die eigene Figur gezogen werden, außerdem kann man die Gegner umkegeln. Der Spieleentwickler und Mitinhaber verspricht sich viel von der Auszeichnung. „Wir wollen jedes Jahr 100 000 Spiele verkaufen“, sagt Zoch. Kinderspiele hätten zudem oft einen längeren Lebenszyklus, daher würde der Preis mindestens genauso viel bringen wie das „Spiel des Jahres“.

Obwohl der Markt für traditionelle Spielwaren durch die Konkurrenz von Videospielen und anderen Unterhaltungsangeboten schrumpft, können sich die Hersteller von Brettspielen gut behaupten. Der Branchenumsatz lag in den vergangenen Jahren stabil bei 400 Millionen Euro. Nach Angaben von Branchenexperten steigerte sich der Anteil von Gesellschaftsspielen am Spielemarkt in den vergangenen zehn Jahren sogar von 14 auf 17 Prozent. Die deutschen Hersteller sind zunehmend auch im Ausland erfolgreich. In den USA werden Gesellschaftsspiele wie „Die Siedler von Catan“ inzwischen sogar als „German Games“ bezeichnet. „Die Siedler von Catan“ war auch der größte Erfolg der vergangenen Jahre – das „Spiel des Jahres 1995“ wurde in über 30 Sprachen übersetzt und mehr als 20 Millionen Mal verkauft.

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