Spielepreis : Die Würfel sind gefallen

Heute wird in Essen der Deutsche Spielepreis 2009 vergeben – wir stellen die interessantesten Titel vor.

Thomas Magenheim
Spiele
Gespielt wird immer. 390 Millionen setzt die Branche jährlich um. -Foto: p-a/dpa

Essen – Preise machen nicht nur berühmt, sie fördern auch den Absatz. Das gilt auch für Gesellschaftsspiele. Am heutigen Mittwoch wird im Vorfeld der Messe Spiel ’09 in Essen die neben der Auszeichnung „Spiel des Jahres“ wichtigste Trophäe der Branche vergeben: der Deutsche Spielepreis. Während das „Spiel des Jahres“ in der Regel auf Gelegenheitsspieler zielt, hat der Deutsche Spielepreis betont erfahrene Zocker im Fokus. Wir präsentieren eine Auswahl aus der Top Ten des Deutschen Spielepreises 2009.



FÜR GEWIEFTE MONARCHISTEN

Der unangefochtene Spitzenreiter der Gesellschaftsspiele ist in diesem Jahr „Dominion“ (Verlag Hans im Glück). Es ist ein neuartiges Kartenspiel mit Brettspielcharakter. Dabei stellen zwei bis vier Kontrahenten ein Karten-Königreich zusammen. Punktekarten sind aber vor allem anfangs hinderlich, weil sie außer ihrem Wert keine Funktion haben. Über weite Strecken wird deshalb mit Geldkarten und Aktionskarten gespielt. Die Herausforderung ist, die Aktionskarten gewinnbringend zu kombinieren und den finalen Run auf die Punktekarten nicht zu verpassen. Mehrere alternative Sätze von Aktionskarten machen das Spiel des Jahres 2009, das jetzt auch den Deutschen Spielepreis errungen hat, enorm abwechslungsreich. (UVP 29,99 Euro)



FÜR NERVENSTARKE VIROLOGEN 

Ein herausragender Vertreter der dieses Jahr für Furore sorgenden Spezies der kooperativen Spiele ist „Pandemie“ (Pegasus). Die Schweinegrippe lässt grüßen und damit ein brandaktuelles Thema. Der Spielplan ist eine Weltkarte mit 48 Metropolen, die nach und nach von vier gefährlichen Seuchen befallen werden – symbolisiert durch farbige Holzwürfel. Die Spieler rasen um den Globus, um die Ausbrüche einzudämmen, Forschungslabore zu bauen und Gegenmittel zu finden. Kommt Panik bei den Spielern im Krisenstab auf oder arbeiten sie nicht zusammen, ist ein bitteres Ende vorprogrammiert. Die zwei bis vier Weltenretter schlüpfen in Rollen wie die eines Arztes oder eines Forschers, die entscheidende Sonderfähigkeiten mit sich bringen. Über Epidemiekarten lässt sich der Schwierigkeitsgrad steuern. (UVP 34,95 Euro)

FÜR MINDERJÄHRIGE RITTER

Zum besten Kinderspiel 2009 wurde beim Deutschen Spielepreis „Die Burg der 1000 Spiegel“ (Kosmos) gekürt. Dabei wird mit echten Spiegeln und Reflexionen gearbeitet. Die komplette Spieleschachtel fungiert als Burg. Die Schachtel- und damit die Burgseiten haben Fenster, von denen immer eins offen ist und Blicke ins Innere des Gemäuers erlaubt. Von oben eingesteckt werden können nicht tausend, aber immerhin vier Spiegel. Blickt man durch das offene Fenster, spiegeln sie bei hellem Licht einen Hund, Helm oder etwas anderes wider. Wer die Gesetze der Reflexion zumindest intuitiv erfasst, kann durch Umstecken der Spiegel den Blick auf das jeweils gesuchte Motiv lenken, was Punkte in Form von Vampirdrops bringt. Sechsjährige, wie vom Verlag empfohlen, überfordert das aber bisweilen. Wer das Spiegeln zu gut beherrscht, ist wiederum unterfordert. Dieser Titelträger ist deshalb nicht unumstritten. (UVP 29,99 Euro)


FÜR UNBERECHENBARE FELDHERREN

Kultverdächtiges Hauen und Stechen in einer bunten Fantasy-Welt bietet „Small World“ (Days of Wonder). Zwei bis fünf Spieler können sich hier auf vier verschiedenen Spielplänen austoben und in maximal eineinhalb Stunden mit ihren Völkern spielerisch Land erobern. Dabei werden den Völkern Eigenschaften zugelost. Der eine gebietet dann zum Beispiel über „plündernde Amazonen“, der andere über „wohlhabende Ghule“, ein dritter über „seefahrende Rattenmenschen“, was bisweilen die Lachmuskeln strapaziert. Die Stärken einer Kombination abzuschätzen, ist eine Kunst für sich. Fans des Klassikers „Risiko“ kommen hier voll auf ihre Kosten. (UVP 45 Euro)

FÜR ADLIGE LANDSCHAFTSGÄRTNER

An spielerfahrene Einzelkämpfer wendet sich „Diamonds Club“ (Ravensburger). Aufgabe für zwei bis vier Strategen ist es, den Garten eines britischen Lords mit Beiwerk wie Orangerien, Brunnen, Volieren oder Bäumen zu belegen, die nach etwa eineinhalb Stunden Spielzeit Siegpunkte bringen. Dazu ist aber einiges an Planung nötig. Denn bezahlt wird clubgerecht mit Edelsteinen. Die wiederum fördern die Spieler aus Minen, die sie sich zuvor auf einem Markt gekauft haben. Erstanden werden müssen zudem Schürfrechte und Transportschiffe. In acht Seiten Regeln verbergen sich viele Details, die hervorragend harmonieren und ein sehr stimmiges Ganzes ergeben. Wer sich beim Spielen gern anstrengt, hat hier ein reiches Betätigungsfeld.(UVP 29,99 Euro)

Die Internationale Spielemesse Spiel ’09 in Essen startet an diesem Donnerstag und läuft bis einschließlich Samstag. Geöffnet ist täglich von 10 bis 19 Uhr. Tageskarten kosten zwischen 6,50 und 11,50 Euro.

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