Wirtschaft : Spielfläche für selbstherrliche Sponsoren

THOMAS KNÜWER (HB) TSP

Die deutsche Eishockeyliga DEL hat keine Stabilität gebracht / Existenzangst in Düsseldorf / Hochstimmung in BerlinVON THOMAS KNÜWER (HB)/TSP DÜSSELDORF/BERLIN.Sie machen zwar alle in Optimismus, aber aus unterschiedlichem Grund.Denn in Berlin geht es dem Eishockey-Verein gut.Dagegen kommt aus Düsseldorf ein eher gequältes Lachen."Warum denn auch nicht?", fragt der Vize-Präsident der Düsseldorfer EG, Volker Schratzlseer.Der Rechtsanwalt versprühte gute Stimmung, als er zur Zukunft des Eishockeys in Düsseldorf Stellung nahm.Doch den Fans in der Karnevalsmetropole ist eher zum Heulen.Stück für Stück wurde in den vergangenen Monaten enthüllt, welche Mißwirtschaft ihnen fast den Lieblingssport geraubt hätte.22 Mill.DM Schulden hatte das Bayern München des Eishockey angehäuft. Rettungsanker sollte eine unabhängige Betriebs-GmbH sein.Doch auch sie konnte nicht verhindern, daß die Schlagzeilen um wirtschaftliche Querelen und Streitereien mit dem Stammverein vielen Fans und Sponsoren die Lust auf Eishockey vergällt hatten.Die Untersuchung von Wirtschaftsprüfern im Auftrag der Deutschen Eishockey-Liga DEL ergab: Durch das operative Geschäft klaffte für diese Saison ein Loch von über zwei Mill.DM bei einem Gesamtetat von 10,5 Mill.DM.Für die nächste Saison war die Prognose ähnlich düster.Am Dienstag zogen die Gesellschafter deshalb die Notbremse Konkursantrag. Doch eine Zukunft der DEG in der DEL, der vom Verband abgekoppelten Liga, die vollständig in der Hand der Klubs liegt, wird es ohnehin nicht geben.Als die Liga vor vier Jahren ihre Arbeit aufnahm, war gerade noch die Hälfte der zwölf Bundesligisten lebensfähig.In den unteren Klassen sah es nicht besser aus: Eishockey ist ein teurer Spaß.Häufig leisten sich selbstherrliche Sponsoren für ein paar Jahre ein Team.Vergeht ihre Lust, verschwindet die Mannschaft.Glück für die Eisbären, daß Helmut Berg, ein West-Berliner Bauunternehmer, seit 1992 ein zuverlässiger Sponsor des Erfolgsteams ist. Doch auch die DEL sorgte nicht für Stabilität.Strenge Wirtschaftlichkeitsprüfungen wie im Fußball waren die Seltenheit.Folge: 1994 verabschiedete sich Hedos München, in dieser Saison Kaufbeuren, jetzt die DEG.Dazu gab es ständig Streit mit den skandalumwitterten Verbandsfunktionären. In Berlin hingegen geht es den Eisbären in der Liga so gut wie nie.Gerade stehen sie im Endspiel und vor dem größten Erfolg des ostdeutschen Eishockeys seit rund 30 Jahren.Mit seinen Siegen auf dem Eis ist der Verein aus Hohenschönhausen zu einem gut laufenden Profi-Klub geworden.Die Sponsoren stehen Schlange, und auf den Trikots ist kein Platz für noch mehr Werbung. Dabei betrachten die betuchten Sponsoren aus dem Westen amüsiert, daß die Fans immer noch wie vor Jahren "Dy - na - mo" schreien.Aber mit dem einstigen Ehrenvorsitzenden Erich Mielke, vormals Minister für Staatssicherheit in der DDR, hat das Gebrüll im Eisstadion heutzutage gar nichts mehr zu tun.Die Zeiten haben sich geändert, seit die Mannschaft im Sommer 1990 in der Eishockey-Liga spielen durfte.Inzwischen verkauft kein Verein so viele Fanartikel, keiner füllt die auswärtigen Stadien so zuverlässig wie der Emporkömmling aus dem Osten. Während der vom Titel träumt, singen sie in Düsseldorf wieder das Lied der Seriösität.Die DEG will sich in der Bundesliga versuchen, die der Verband ab nächster Saison als eine Art zweiter Liga plaziert.Läßt sich das nicht finanzieren, geht es vielleicht tiefer.Klein will man anfangen, mit einer jungen Mannschaft.Geplanter Etat: rund zwei Mill.DM.Rund 3000 Zuschauer sollen kommen. Auch die Wirtschaft zieht angeblich mit: Die Gesellschafter Josef Klüh und Rainer Gossmann, beide Chefs von Dienstleistungsunternehmen, wollen weiter zahlen, ebenso die Schlösser-Brauerei, die für diese Saison 700 000 DM für Trikot-Werbung springen ließ.Auch mit anderen Gläubigern liefen Gespräche, es sei "nicht unwahrscheinlich", daß der Club ohne Altlasten in die Zukunft startet."Wir brauchen eine neue Euphorie", gibt sich der Rechtsanwalt kämpferisch-frohgemut.Ob Fans und Sponsoren mitlachen, wenn die DEG nicht mehr gegen Köln und Mannheim spielt, sondern gegen Neuwied und Essen, wird in Düsseldorf zur überlebenswichtigen Frage.

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