Wirtschaft : Spielregeln für die Silvesternacht

Wie lange Partys dauern, wer bei Schäden zahlt

Heike Jahberg

Berlin - Trotz guter Wünsche beginnt das neue Jahr für viele alles andere als harmonisch: Die ältere Dame von nebenan stört sich am Lärm der Feier, und der Feuerwerkskörper der Kinder brennt ein Loch in Nachbars Cabrio.

Für die Silvesternacht gibt es klare Spielregeln. Wie lange und laut die Party sein darf, hängt davon ab, wo sie stattfindet: In ruhiger Stadtrandlage muss die Toleranz nicht so groß sein wie in Mitte. Eine Party bis zu zwei Stunden nach Mitternacht wird allerdings als üblich und deshalb akzeptabel betrachtet, erklärt Rechtsanwalt Christian Kotz. „Aber auch in Szenevierteln muss zwischen vier und fünf Uhr früh Schluss sein.“

Problematischer sind die Folgen vieler Feiern, mit denen Polizei und Feuerwehr um den Jahreswechsel herum zu kämpfen haben. Für einen Großteil der Verletzungen und Brände, bei denen sie helfen, sind Feuerwerkskörper der Grund.

Um Unfälle zu vermeiden gibt es rechtliche Vorgaben wie die Prüfzeichen der Bundesanstalt für Materialforschung (etwa der Aufdruck BAM-PII-1912). Da Böller mit Fälschungen des Prüfaufdrucks kursieren, hat die Bundesanstalt im Internet eine Liste mit zugelassenem Feuerwerk veröffentlicht (www.bam.de/p1.htm und www.bam.de/p2.htm).

Kommt es zu Verletzungen anderer oder Sachbeschädigung, haften auch Eltern, wenn sie ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen sind. Hierbei gilt die Faustregel: Je jünger der Nachwuchs, desto eher müssen die Eltern sich kümmern. Zur Zahlung von Schadenersatz oder Schmerzensgeld können allerdings auch Jugendliche und Kinder verpflichtet sein, soweit sie Reife und Fähigkeit besitzen zu erkennen, dass sie sich falsch verhalten haben. In solchen Fällen muss die private Haftpflichtversicherung der Eltern zahlen.

Ein Großteil der Versicherungszahlungen in der Silvesterzeit wird für Feuerschäden geleistet: Jedes Jahr sind es etwa 40 Millionen Euro, wie Stephan Schweda vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft sagt. Oft muss dabei lange um das Geld der Versicherung gestritten werden. Meistens geht es um die Frage, ob der Geschädigte den Schaden „grob fahrlässig“ verursacht hat. Das ist dann der Fall, wenn der Betreffende die Sorgfalt und Vorsicht außer Acht lässt, die „allgemein üblich“ ist. Wichtig ist vor allem, sich beim Zündeln genau an die Gebrauchsanweisung zu halten.

Ist das Auto durch Feuerwerkskörper beschädigt worden, kommt dafür generell die Teilkaskoversicherung auf. Werden aber mutwillig die Scheiben eingeschlagen, wird der Schaden nur ersetzt, wenn das Auto vollkaskoversichert ist.

Auch wenn den meisten solche Schäden erspart bleiben, eines kommt auf alle zu: Ab null Uhr tritt die Mehrwertsteuererhöhung in Kraft. Für die Bewirtung in Gaststätten oder am Imbiss werden aber noch bis zum frühen Morgen des 1. Januar nur 16 Prozent Mehrwertsteuer fällig. Für Übernachtungskosten in der Silvesternacht gilt aber schon der neue Steuersatz von 19 Prozent.

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