Wirtschaft : Spieltrieb und Geschäftssinn

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Von Henrik Mortsiefer

Wenn die deutschen Einzelhändler ab Montag ihre Läger räumen und auf ein letztes Schlussverkaufsgeschäft hoffen, wird bei der InternetKonkurrenz schon gefeiert. Der Online-Handel brummt. Ebay und Amazon haben das in dieser Woche mit aktuellen Zahlen noch einmal belegt. Und auch die Statistik des Einzelhandels spricht eine klare Sprache: Die Online-Umsätze sind im ersten Halbjahr um 30 Prozent gestiegen. Bis Ende 2003 wird ein Plus von fast 40 Prozent auf dann elf Milliarden Euro erwartet. Allein der Otto-Versand setzte 2002 online mehr als zwei Milliarden Euro um. Schöne neue Internet-Welt? New Economy, Teil II?

Die Marktführer erwecken diesen Eindruck. Sie haben den Niedergang der ersten New Economy nicht nur überlebt, sondern sind sogar gewachsen. In unsicheren Zeiten hält man sich an bekannte Namen. Das Ergebnis: An der Börse wird Amazon mit dem 60fachen des für 2004 erwarteten Gewinns bewertet, Ebay mit dem 53fachen. Da kann man schon nervös werden, ob nicht wieder jedes Maß verloren gegangen ist. Denn bei aller Euphorie belegt die Statistik auch: Der Online-Umsatz steigt, aber er macht nicht mehr als zwei Prozent des Einzelhandelsgeschäfts insgesamt aus.

Doch die Gewichte werden sich weiter zu Gunsten der elektronischen Händler verschieben. Jeder zweite Deutsche ist ans Netz angeschlossen. In vier Jahren sollen es fast 50 Millionen sein. Schnelle Internetzugänge sind auf dem Vormarsch. Die Zahlungswege werden sicherer. Gute Voraussetzungen, um die Netz-Wirtschaft anzukurbeln. Der Erfolg von Ebay zeigt außerdem, dass Auktionen den Nerv von Angebot und Nachfrage treffen. Bei Ebay zahlen die Kunden auch dafür, dass sie Schnäppchen jagen und ihren Spieltrieb ausleben dürfen. Das muss ein traditioneller Einzelhändler erst mal schaffen.

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