Spirituosenmarke Mampe : Der Geist aus der Flasche

Einst war die Berliner Spirituosenmarke „Mampe“ eine Berühmtheit - dann geriet sie in Vergessenheit. Nun soll sie mit eigener Manufaktur wieder sichtbar werden.

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Die bekannteste Mampe-Stube war am Kurfürstendamm, wo Joseph Roth Passagen seines Romans „Radetzkymarsch“ geschrieben haben soll.
Die bekannteste Mampe-Stube war am Kurfürstendamm, wo Joseph Roth Passagen seines Romans „Radetzkymarsch“ geschrieben haben soll.Foto: promo

Vor einer Bar am Mehringdamm stehen ein Bierfass als Tisch und ein Hocker zum Sitzen. Auf der Tafel daneben ist ein Gedicht geschrieben, vier Zeilen lang, mit einem gemalten Elefanten und dem Wort „Mampe“ in großen Buchstaben darüber. Die einst berühmte Berliner Spirituosenmarke verschwand Anfang der 80er Jahre aus den Straßen der Stadt. Nun soll sie wieder sichtbar werden, vor allem hier, im Kreuzberger Bergmannkiez.

In ihren besten Jahren war die Marke mit 78 verschiedenen Spirituosen allgegenwärtig. In ganz Deutschland gab es Gaststätten, die den Namen „Mampes gute Stube“ trugen. Die Bekannteste war am Kurfürstendamm, wo Joseph Roth Passagen seines Romans „Radetzkymarsch“ geschrieben haben soll. Mampe war Elefanten-Sponsor des Berliner Zoos und in einer Saison erster Trikot-Sponsor des Bundesligisten Hertha BSC. In Döblins „Berlin Alexanderplatz“ verdünnt ein ehemaliger Soldat und Gefängnisinsasse seine Sorgen mit Mampe.

Ja, es gibt viele Anekdoten, die Tom Inden-Lohmar in seinem Büro erzählen kann. „Da gibt es auch noch die Geschichte von David Bowie, der in David Hemmings Film ’Schöner Gigolo, armer Gigolo’ als Mampe-Flasche durch die Stadt stolpert“, erzählt er. Tom Inden-Lohmar ist der, der die Marke seit gut drei Jahren zurück in die Regale der Berliner Supermärkte und auf die Getränkekarten der Gaststätten bringt. Dabei schien es durch die Insolvenz 1984 mit dem Ruhm vorbei zu sein.

Wie im 19. Jahrhundert alles begann

Alles begann 150 Jahre vorher, als Carl Mampe 1831 das Arzneimittel „Bittere Tropfen“ erfand. Anfang der 1980er Jahre aber versäumte man, mit der Zeit zu gehen – während „Jägermeister“ zum Party-Kultgetränk wurde. „Die haben richtig gemacht, was Mampe falsch gemacht hat“, sagt Inden-Lohmar. Trinkgewohnheiten änderten sich. Weg von Korn und Likör, hin zu Rum und Wodka. Die jungen Leute wollten es exotischer, wollten Cocktails. „Farbig sollte der Drink sein, mit einem Schirmchen drin.“

Der Apfelkorn-Konzern Berentzen übernahm die abgewirtschaftete Firma. Ohne großen Erfolg. Dabei ist die Marke mit Berlin verbunden wie Kindl oder Schultheiss. Vor vier Jahren sicherte sich Tom Inden-Lohmar zusammen mit seinem Geschäftspartner Frank Zächel die Rechte und arbeitet seither an einer Mampe-Renaissance. Dabei kommt der Mann aus Köln und hatte bis zu seinem Einstieg in das Berliner Destillationsgewerbe wenig Berührung mit der Stadt. Umso größer sein Ehrgeiz.

Tom Inden-Lohmar (r.u.) arbeitet an einer Mampe-Renaissance.
Tom Inden-Lohmar (r.u.) arbeitet an einer Mampe-Renaissance.Foto: promo

Halb Manufaktur, halb Eventlocation

In den vergangenen drei Jahren haben die Geschäftsführer die industriell gefertigten Produkte Feinbitterlikör, Wodka und Gin in die Regale des Berliner Handels zurückgebracht. Der Getränkehandel Hoffmann verkauft ihre Spirituosen, sowie Edeka, Kaufland, Real und Metro. Nur Rewe nicht. An Bord von Air Berlin gibt es wieder die von Mampe kreierte „Berliner Brise“. Zwar habe sich der Verkauf ganz gut entwickelt, doch die Gewinnmargen seien bisher eher mager. Für dieses Jahr rechnet der Geschäftsführer mit einem Umsatz von 500000 Euro. Dazu kommt, dass Inden-Lohmar seine aktuelle Produktionsstätte in Brandenburg zum Jahresende verlassen muss.

Deswegen folgt derzeit der nächste Schritt: Das Team aus vier Vollzeit- und einer Teilzeitkraft möchte in einem Kreuzberger Hinterhof einen Mampe-Treffpunkt schaffen. Halb Manufaktur, halb Eventlocation. Dort sollen handgemachte Spirituosen nach alten Originalrezepten entstehen. Es soll Führungen geben, Verköstigungen und Veranstaltungen.

Finanzierung durch Crowdfunding

An einem Nachmittag im November tüfteln Handwerker herum. Es riecht nach frischer Farbe. „Mampes neue Heimat“, wie Inden-Lohmar den Ort nennt, soll noch vor Jahreswechsel ihre Türen öffnen. Um das Projekt zu finanzieren, wurde eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Das Ziel sind 39000 Euro. Bis Montag. Die Summe ermöglicht die Produktentwicklung und -fertigung. Dazu gehören Rohstoffe, Flaschen und Verschlüsse. Mampes „Halb & Halb“ ist eine Mixtur aus 130 Kräutern und Bitterorangen.

Wer sich beim Crowdfunding beteiligt, Mindesteinsatz sind 39 Euro, bekommt einen Baustein in „Mampes neue Heimat“ und Vorteile beim Einkauf. Und die Spender können über das künftige Getränkeangebot mitbestimmen. Die Geschäftsführer setzen darauf, dass Regionalität im Trend liegt und das Interesse nach Berlins Geschichte groß ist. Touristen aus aller Welt würden wissen wollen, wie es war, hier zu leben, und wie es heute ist. „Dazu passt ein Besuch von Berlins ältester Spirituosenmarkt“, sagt Inden-Lohmar.

Geht es nach ihm, soll seine Mampe-Manufaktur in internationalen Berlin-Führern stehen. Und in Food Apps vorkommen, mit denen man eine kulinarische Tour durch gewisse Stadtteile machen kann. Wie den Bergmannkiez. So soll die Marke in die Neuzeit transportiert werden. Damit sie nicht wieder zu einer verstaubten Anekdote in den Geschichtsbüchern der Stadt wird.

Crowdfunding läuft bis zum 28. November unter www.startnext.com/mampe

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