Spitzelaffäre : Deutsche Bank setzte "weibliche Lockvögel" ein

Das Institut bestätigt vier Späh-Angriffe auf Top-Manager, Journalisten, Aktionäre und Privatleute. Dabei griff die Deutsche Bank auch auf "weibliche Lockvögel" zurück.

Frankfurt am Main - In der Spitzelaffäre bei der Deutschen Bank hat das Unternehmen vier rechtlich bedenkliche Ausspähaktionen eingeräumt. Von der Abteilung Konzernsicherheit beauftragte Dienstleister hätten möglicherweise gegen den Datenschutz oder den Schutz der Privatsphäre verstoßen, teilte die Bank am Mittwoch in Frankfurt am Main mit. Ziel der Bespitzelungen waren ein Aufsichtsrat, ein Vorstand, ein Journalist, ein kritischer Aktionär und eine Privatperson. Dabei handele es sich aber um isolierte Vorgänge, betonte der Konzern. „Ein systematisches Fehlverhalten wurde nicht festgestellt.“ Es gebe auch keine Hinweise, dass Vorstandsmitglieder in die Aktivitäten verwickelt seien.

Die Bank hatte die Affäre Ende Mai öffentlich gemacht. Intern hat sie Konsequenzen gezogen und sich von den Leitern der Abteilungen Konzernsicherheit und Investor Relations getrennt.

Betroffen waren 2001 der Vertreter der Gewerkschaft Verdi im Aufsichtsrat, Gerald Herrmann, und ein Journalist. Laut Deutscher Bank, die keine Namen nannte, ging es darum, die Quelle für die Weitergabe vertraulicher Informationen zu finden. „Das damalige Mitglied des Aufsichtsrates wurde als mögliche Quelle der Indiskretionen angesehen. Die Nachforschungen erbrachten dafür keinen Beleg.“ Außerdem wurde 2006 ein kritischer Aktionär beschattet – man wollte herausfinden, warum er so oft vor Gericht zog. Auf ihn seien weibliche Lockvögel angesetzt worden, herausgefunden hatte die Bank aber nichts. Der dritte Fall betrifft einen Mann, der gedroht hatte, Top-Manager zu Hause aufzusuchen. Er konnte aber nicht ausfindig gemacht werden. Schließlich war 2007 ein ungenannter Vorstand von einer Aktion betroffen. Dabei habe es sich um eine Übung gehandelt, „mit dem Ziel, die Wirksamkeit der Personenschutzmaßnahmen für die Top-Manager der Bank zu testen und gegebenenfalls zu verbessern“, erklärte die Bank.

Ob die Aktionen juristische Folgen haben, ist unklar. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob sie Verfahren einleitet. dpa

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