Spitzelaffäre : HP-Verwaltungsratschefin Dunn tritt zurück

Die Verwaltungsratschefin des US-Computerkonzerns Hewlett-Packard (HP), Patricia Dunn, ist wegen der seit Wochen schwelenden Bespitzelungsaffäre zurückgetreten.

San Francisco - Der Rücktritt der 53-Jährigen sei im besten Interesse des Unternehmens, sagte HP-Chef Mark Hurd. Die Ermittlungsergebnisse der vergangenen Wochen seien "sehr störend", sagte Hurd weiter. Er entschuldige sich bei allen von den Bespitzelungen Betroffenen. Hurd wird für Dunn an die Spitze des Verwaltungsrats rücken, dürfte die Aufgabe aber erst ab Januar 2007 wahrnehmen. Dunn sagte in einer ersten Reaktion, sie sei auf Bitten des Verwaltungsrats zurückgetreten, habe sich aber in der Affäre nichts vorzuwerfen.

Dunn ist in das Visier der Justiz- und Aufsichtsbehörden geraten, weil sie im vergangenen Jahr Privatdetektive beauftragt hatte herauszufinden, wie interne Überlegungen des Verwaltungsrats an die Presse kommen konnten. Dazu beschafften sich die Detektive unter anderem unter falschem Namen die Daten von privaten Telefonaten von Mitgliedern des Gremiums sowie von Journalisten. Bei ihren Nachforschungen gaben sich die Detektive auch als HP-Verwaltungsratsmitglieder und als Journalisten aus. Außerdem sollen sie Mitarbeiter observiert und Mails mit geheimen Markierungen versehen haben, um deren Weg weiterzuverfolgen.

Erkenntnisse reichen für strafrechtliche Ermittlungen

Laut dem von HP mit der Untersuchung der Vorgänge beauftragten Anwalt Mike Holston hat der Konzern auch die Sozialversicherungsnummern von Mitarbeitern zur Verfügung gestellt, um an Aufstellungen über private Telefonverbindungen zu kommen. Wegen der Affäre hätte Dunn ihr Amt im Januar aufgeben sollen, zuletzt war der Druck auf sie und den Konzern aber gewachsen. Der kalifornische Generalstaatsanwalt hatte vor wenigen Tagen mitgeteilt, die Erkenntnisse reichten für strafrechtliche Ermittlungen gegen HP-Mitarbeiter aus.

Unklar ist bisher, ob und wie viel Hurd von den Vorgängen wusste. Hurd stritt erneut jedes Wissen von der Aktion ab. Sollte er davon in Unterlagen informiert worden sein, habe er diese nicht gelesen, fügte er hinzu. Hurd wird am kommenden Donnerstag vor dem US-Kongress Rede und Antwort zu stehen. Sein entsprechendes Angebot sei von dem Gremium angenommen worden, sagte Hurd. Ob auch Dunn wie nach ihrem Rücktritt zunächst vorgesehen vor dem US-Kongress aussagen wird, war zunächst unklar. (tso/AFP)

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