Spitzelaffäre : Telekom droht massiver Kundenverlust

Der Spitzel-Skandal beim rosa Riesen hat Konsequenzen: Einer Umfrage zufolge wollen viele Telekom-Kunden zu anderen Anbietern wechseln. Telekom-Vorstandschef René Obermann ruft die Mitarbeiter des Unternehmens dazu auf, bei Unregelmäßigkeiten mehr Zivilcourage zu zeigen.

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Die Zentrale der Deutschen Telekom in Bonn. -Foto: dpa

BerlinWegen des Skandals wolle ein Drittel der Telekom-Kunden "bestimmt" oder "wahrscheinlich" zu einem anderen Anbieter wechseln, zitiert die Düsseldorfer "Wirtschaftswoche" eine Umfrage des Kölner Instituts Psychonomics. Jeder zweite Kunde habe das Vertrauen in den Konzern verloren, was die Sicherheit der eigenen Kundendaten betreffe.

Telekom-Vorstandschef Obermann rief die Unternehmens-Mitarbeiter auf, sie sollten sich gegen ein mögliches Fehlverhalten von Vorgesetzten und Kollegen stellen. "Datensicherheit ist das höchste Gut für die Deutsche Telekom. Deshalb muss jedem klar sein, dass die Verletzung des Datenschutzes kein Kavaliersdelikt ist", sagte Obermann der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Das gelte für die Weitergabe von Betriebsgeheimnissen, aber "noch viel, viel mehr für den Schutz des Fernmeldegeheimnisses". Obermann ermunterte die Mitarbeiter, in kritischen Fällen nicht zu schweigen, sondern Hinweise weiterzugeben. "Blinde Befehlsgläubigkeit darf es nicht geben. Wenn es notwendig ist, müssen Mitarbeiter die Courage zeigen, auf Ungereimtheiten hinzuweisen", verlangte der Konzernchef.

"Zu jedem Zeitpunkt richtig gehandelt"

Mirow, der die Bundesregierung im Telekom-Aufsichtsrat vertritt, sagte zur Spitzelaffäre: "In Kenntnis dessen, was ich bis jetzt weiß, meine ich, dass Herr Obermann zu jedem Zeitpunkt richtig gehandelt hat." Er selbst sei das erste Mal am 8. Mai über die Angelegenheit informiert worden, fügte Mirow hinzu, der sein Amt Anfang Juli aufgibt, im Tagesspiegel hinzu.

SPD-Fraktionschef Peter Struck verlangte als Konsequenz aus dem Telekom-Skandal höhere Strafen: "Die Bußgeldsätze sollten den Umsätzen angepasst und bis in den zweistelligen Millionenbereich erhöht werden, wie das in anderen EU-Ländern der Fall ist", sagte er der "BZ am Sonntag". Entscheidungen darüber sollten bereits auf dem nächsten Koalitionsausschuss am Mittwoch getroffen werden.

"Spiegel": Auch Lufthansa überwachte

Neben der Telekom hat nach einem Bericht des "Spiegel" auch die Lufthansa einen Journalisten der "Financial Times Deutschland" ins Visier genommen. Die Fluggesellschaft habe auf diese Weise interne Lecks im eigenen Aufsichtsrat aufspüren wollen. Um Hinweise auf Kontakte des Mannes zu einem Mitglied des Kontrollgremiums zu erhärten, nutzte die Lufthansa demnach interne Passagierdaten des Vielfliegers. Der Mann sei mit einem Lufthansa-Jet nach Hamburg geflogen und habe sich dort in einer konzerneigenen Lounge mit seinem Informanten getroffen.

Das Unternehmen bestätigte dem Bericht zufolge die Aktion und verwies zugleich darauf, dass Fluggastinformationen konzernintern nicht den gleichen Schutz genössen wie etwa Telefondaten. "Bei uns ist nichts Illegales geschehen", sagte ein Lufthansa-Sprecher. Grünen-Parlamentsgeschäftsführer Volker Beck bewertete den Vorgang dagegen als "Skandal" und als "Übergriff auf die Persönlichkeitsrechte ihrer Fluggäste". "Kritische Journalisten auszuspähen, ist ein Angriff auf die Pressefreiheit", erklärte auch die FDP-Innenpolitikerin Gisela Piltz. (feh/AFP)

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