Sponsoring : Trotz Tibet: 120 Millionen Dollar für Olympia

Der Druck auf Unternehmen wie Volkswagen, Adidas oder McDonald’s wächst, ihre Unterstützung der Spiele zu überdenken. Bisher halten sie trotz blutiger Unruhen an ihrem Sponsoring fest.

Harald Maass[Peking]
China Olympia
Unternehmen wie Volkswagen, Adidas oder McDonald’s unterstützen Olympia. -Foto: ddp

Trotz der blutigen Unruhen in Tibet halten ausländische Unternehmen wie Volkswagen, Adidas und McDonald’s an ihrem Sponsoring der Olympischen Spiele in Peking fest. Doch der Druck auf die Konzerne, die nach Schätzungen von Experten jeweils bis zu 120 Millionen Dollar für das exklusive Werberecht mit den olympischen Ringen bezahlt haben, wächst.

Die International Campaign for Tibet (ICT) rief Volkswagen dazu auf, keine Fahrzeuge für den olympischen Fackellauf zur Verfügung zu stellen. Der Wolfsburger Konzern ist einer der Hauptsponsoren des am Montag begonnenen Fackellaufs, der nach der Planung Pekings auch durch Tibet führen wird. „Volkswagen muss alles tun, um zu einer friedlichen Entwicklung in Tibet beizutragen“, schrieb ICT in einem Brief an VW-Chef Martin Winterkorn. Die Unterstützung des Fackellaufs sei deshalb inakzeptabel. „Bunte VW-Fahrzeuge auf Straßen, die kurz zuvor Schauplatz blutiger Ereignisse waren, wären für die deutsche Öffentlichkeit unerträglich“, heißt es in dem Schreiben.

Die Unternehmen lehnen Boykottforderungen bislang ab. „Wir verfolgen natürlich mit Sorge, was in Tibet passiert“, sagte ein VW-Sprecher. Es sei jedoch Aufgabe der Politik und beteiligter Parteien, eine Lösung des Konfliktes herbeizuführen. „Wir halten an unserem Olympia-Engagement fest, gerade weil die Olympischen Spiele ja dem Zweck der Völkerverständigung dienen“, sagte der Sprecher.

Andere Großsponsoren reagieren ähnlich. Trotz der Sorge um die Situation in Tibet seien die Olympischen Spiele in erster Linie ein „Fest des Sports“, heißt es beim langjährigen Olympia-Sponsor Adidas. Die Fast-Food-Kette McDonald’s erklärte, dass politische Fragen am besten von Regierungen und internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen gelöst würden. Eine Sprecherin von General Electric sagte, dass das US-Unternehmen Olympia als eine „Kraft des Guten“ sehe.

Konzerne spüren Druck aus China

Die Konzerne spüren nicht nur den Druck der Weltöffentlichkeit, sondern auch aus China. Die Volksrepublik ist für viele Firmen ein Schlüsselmarkt von enormer wirtschaftlicher Bedeutung. Pekings Kader sind es gewohnt, zwischen den Zeilen zu lesen. Jede öffentliche Kritik an China durch die Sponsoren würde vermutlich empfindliche wirtschaftliche Nachteile nach sich ziehen.

Bislang habe keiner der 63 Sponsoren die Zusammenarbeit eingeschränkt, erklärt das chinesische Organisationskomitee der Spiele in Peking. „Die Sponsoren identifizieren sich mit dem olympischen Geist und den Zielen der Olympischen Spiele“, sagte Marketing-Direktorin Yuan Bin. Eine Vermengung der Spiele mit politischen Themen sei „unfair“.

Proteste bei Olympia sind nichts Neues. Vor den Spielen in Atlanta im Jahr 1996 kam es zu Kritik, weil einer der Austragungsorte angeblich homosexuellenfeindlich war. Vier Jahre später in Sydney war der Umgang Australiens mit den Ureinwohnern ein Streitpunkt. Bei den Spielen in Peking dürfte die weltweite Aufmerksamkeit für solche Proteste jedoch ungleich größer werden. „Das werden die politischsten Spiele seit dem Kalten Krieg werden“, sagt ein europäischer Diplomat.

In internen Sitzungen arbeiten Konzerne und Kommunikationsfirmen deshalb bereits Krisenpläne aus. „Wenn die Tibetproteste anhalten, müssen die Sponsorfirmen reagieren“, sagt ein PR-Experte in Peking, der wegen der Sensibilität des Themas seinen Namen nicht gedruckt sehen möchte. Eine Möglichkeit sei, dass die Firmen ihre internationale Olympia-Werbung einschränken und ihre Kampagnen auf China beschränken. Einen öffentlichen Rückzug aus dem Sponsoring halten Experten jedoch allein aus vertraglichen Gründen für unwahrscheinlich. „Im schlimmsten Fall werden die Firmen die Kosten für das Olympia-Sponsoring abschreiben“, sagt der PR-Manager.

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