Wirtschaft : Sport nach dem Terror: Flugverbot über den Stadien

Graig Copetas

Nach den Flugzeuganschlägen in den USA verstärken auch die Verantwortlichen in der Sportindustrie die Bemühungen, den Terror von den Spielfeldern fernzuhalten. Für Vertreter der US-Sportindustrie und Sicherheitsexperten steht zunächst der Schutz der künftigen Großereignisse im Vordergrund: die Olympischen Winterspiele in Salt Lake City im Februar 2002 und die Fußballweltmeisterschaft in Japan und Südkorea im Mai des gleichen Jahres. Die südkoreanische Regierung ließ bereits verlauten, sie werde über den zehn Meisterschaftsstadien während der Wettbewerbe ein Flugverbot verhängen. Auch Mitt Romney, der Präsident des Organisationskomitees für die Winterspiele hat die US-Regierung um finanzielle Unterstützung ersucht, um die 200 Millionen Dollar für Sicherheitsmaßnahmen aufzubringen. Nach den Terroranschlägen der vergangenen Woche wolle man zusammen mit dem Secret Service noch einmal das gesamte Sicherheitskonzept durchdenken und dabei auch die Luftsicherheit einbeziehen.

Zum Thema Online Spezial: Terror gegen Amerika
Umfrage: Haben Sie Angst vor den Folgen des Attentats?
Fotostrecke I: Der Anschlag auf das WTC und das Pentagon
Fotostrecke II: Reaktionen auf die Attentate
Fotostrecke III: Rettungsarbeiten in New York
Fotostrecke IV: Trauerkundgebung am Brandenburger Tor
Chronologie: Die Anschlagserie gegen die USA
Osama bin Laden: Amerikas Staatsfeind Nummer 1 gilt als der Hauptverdächtige "Unsere Aufgabe ist der Schutz der Öffentlichkeit", sagt Romney. Auch die Olympischen Sommerspiele von Athen im Jahr 2004 rücken näher. Einige Sicherheitsexperten halten die griechische Terroristenvereinigung "17. November" für eine ernste Bedrohung. Gefährlich ist die Gruppe, die enge Beziehungen zu radikalen Vereinigungen aus dem Nahen Osten hat, vor allem für die Vertreter von Sponsoren und für die Bauarbeiten für die zu errichtenden Sportstätten. In den letzen Jahren hat "N 17", wie sich die Gruppe selbst bezeichnet, mehr als 100 Menschen getötet. Seit der Vergabe der Spiele an Griechenland 1997 haben "N 17" und andere radikale Vereinigungen 24 in Griechenland tätige US-Unternehmen angegriffen sowie weitere 22 aus anderen westlichen Ländern. Festnahmen gab es keine. "Es gibt ein Terrorismus-Problem in Athen", sagte ein hochrangiger Vertreter des amerkikanischen Olympischen Komitees in der vergangenen Woche.

Olympia war oft Ziel von Anschlägen

Olympia war in der Vergangenheit oft Ziel von Terroranschlägen. Bei den Spielen in München 1972 wurden elf israelische Sportler von radikalen Palästinensern getötet. Die baskische Untergrundorganisation ETA bedrohte die Barcelona-Spiele 1992 und eine Rohrbombe erschütterte 1996 die Spiele in Atlanta. Doch die terroristische Bedrohung beschränkt sich nicht mehr auf Olympia und die Fußball-WM. "Sport ist ein gesellschaftliches Ereignis, das Menschen zusammenbringen soll", sagt der Direktor des olympischen Bewerbungskomitees von Istanbul, Yalcin Aksoy, einer der hochrangigsten Sport-Verantwortlichen der islamischen Welt. "Ich bezweifle jedoch, dass ein Land, das der Westen mit dem Terrorismus in Verbindung bringt, überhaupt noch irgendwelche Wettbewerbe austragen wird."

Die meisten Sponsoren aus der Wirtschaft verweigern sich einer Diskussion über ihre Sicherheitskonzepte, um diese nicht zu verraten. "Alle großen Sportereignisse können Ziel von Anschlägen sein, nur ein Narr verkennt dies", sagt Peter Marktin, Präsident eines Marketingunternehmens. Die Führungskräfte von Sponsor-Unternehmen fürchten auch um ihre persönliche Sicherheit: "Nach den Anschlägen verlangen sie nun eine Sicherheitsgarantie, ohne die weder sie selbst noch ihre Klienten an einem Ereignis teilnehmen werden", sagt Martin. Traditionell ruft das Internationale Olympische Komitee für die Zeit der Spiele Konfliktherde zu einem Waffenstillstand auf. Im Fall von Athen hat das IOC bereits einen Olympisches Zentrum der Waffenruhe ins Leben gerufen.

"Die olympische Waffenruhe bedeute gar nichts", meint Peter Martin. "Ein viel zwingenderes Symbol sind nun die Blutbäder von New York und Washington, und zwar für die Terroristen ebenso wie für deren Gegner." Nach Ansicht des Präsidenten der deutschen Fußballbundesliga, Werner Hackmann, darf sich die Gesellschaft dem Terrorismus nicht beugen. "Feige Attacken wie diese werden keinen dauernde Wirkung auf die zivilisierte Welt und ihre Strukturen haben." Mike Lee, oberster Sprecher des Europäischen Fußballverbandes Uefa, verteidigt die Verschiebung von über 40 Champions-League-Spielen in der vergangen Woche auch mit Sicherheitsbedenken. "Unsere Spiele können bestimmt bei der Bewältigung der Trauer helfen", sagt er. "Doch die großen Schandtaten wird der Sport nicht aufhalten können." Für Paul Kayaian, ehemals Funktionär in der National Baseball Association sowie der National Football League und heute Leiter einer Sportagentur, steht ein globales Vorgehen im Vordergrund. "Wir brauchen wohl ein weltweites Treffen der großen Sportvereinigungen, um Informationen auszutauschen", sagt er. Laut Mike Lee hat die Uefa bereits Diplomaten und Sicherheitsexperten konsultiert, um zu entscheiden, ob bereits angesetzte Spiele in bestimmten Ländern noch durchgeführt werden sollen.

Uefa spielt nicht in 51 Ländern

Obwohl Lee zu den gefährlichen Staaten im einzelnen keine Angaben macht, sagt er, dass die Uefa derzeit in 51 Ländern den Spielbetrieb verweigert. Hierzu gehören, so Lee, die "Krisenherde der Welt", darunter Mazedonien, Israel und die vorwiegend islamisch regierten Länder der ehemaligen Sowjetunion. "Wenn uns ein Club sagt, er will auch in einem anderen Land nicht spielen, dann werden wir dies genau prüfen", sagt Lee. "Wir sind darauf vorbereitet, Spiele örtlich und zeitlich zu verlegen."

Der Weltfussballverband Fifa hat dagegen angeordnet, dass sämtliche Qualifikationsspiele für die WM 2002 fortgesetzt werden. Auch die Mittelmeer-Meisterschaften in Tunesien und die Südostasien-Spiele in Kuala Lumpur sollen stattfinden. "In tragischen Momenten wie diesen", so Fifa-Präsident Joseph Blatter, "muss Fußball ein Leuchtfeuer der Hoffnung bleiben."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben