• Sport-Übertragungsrechte: Beim Super-Bowl kostet ein Werbespot 1,3 Millionen Dollar - US-Politologe Andrei S. Markovits über den Rechtehandel in Amerika

Wirtschaft : Sport-Übertragungsrechte: Beim Super-Bowl kostet ein Werbespot 1,3 Millionen Dollar - US-Politologe Andrei S. Markovits über den Rechtehandel in Amerika

Herr Markovits[die Vergabe der Übertragungsr]

Andrei S. Markovits (52) ist Politologe an der University of Michigan, Ann Arbor. Er erforscht deutsch-amerikanische Beziehungen und den US-Sport.

Herr Markovits, die Vergabe der Übertragungsrechte der Fußball-WM hat in Deutschland einen Kulturstreit ausgelöst. Ist so eine Debatte auch in den USA möglich?

Nein und ja. Eine Debatte über die Rolle des staatlichen Fernsehens findet in Amerika nicht statt, weil es kaum staatliches Fernsehen gibt. Das "National Public Television" ist nur ein kleines Nischenprogramm für Intellektuelle, Sport findet da nicht statt. Es gab aber Anfang der achtziger Jahre eine Debatte, ob Sportereignisse im Kabelfernsehen übertragen werden dürfen. Damals hatte nur die Hälfte der Amerikaner Kabelanschluss. Die andere Hälfte fürchtete, wichtige Spiele zu verpassen. Heute ist das kein Thema mehr, weil fast alle verkabelt sind.

Wie teuer sind Sportrechte in den USA?

Der letzte Vertrag der National Football League (NFL) war 18,6 Milliarden Dollar wert. Für dieses Geld teilen sich die drei Fernseh-Networks ABC, CBS und Fox die nationalen Übertragungsrechte für acht Jahre. Die Sender haben sich geeinigt, wer wann welche Spiele überträgt, das Finale Super-Bowl rotiert von Jahr zu Jahr. Dazu konnte sich ABC die populäre Sendung "Monday Night Football" sichern. Seit 1971 treffen sich Leute montags um neun in Bars, schauen Sport und reden übers Wochenende.

Reicht solch eine populäre Sendung, um die Summen wieder einzuspielen?

Bei den heutigen Unsummen habe ich meine Zweifel. NBC ist beim Preispoker ausgestiegen. Immerhin hat sich NBC die Rechte an der Basketball-Liga NBA gesichert. Der Sender hat vier Milliarden Dollar für die nächsten sechs Spielzeiten bezahlt.

Kann man in den USA auch Fußball sehen?

Inzwischen ja. Jeder kann die amerikanische Liga MLS einschalten, aber auch die europäische Champions-League. Weil immer mehr Sender aus dem Boden schießen, hat Nischensport eine Chance. Zuletzt waren sogar spätabends Skandinavier zu sehen, die im Wettlauf Steine einen Berg hochrollten.

Und wo kann ein Amerikaner sein Lieblingsteam spielen sehen?

Zunächst einmal bei den nationalen Networks, die sich die landesweiten Rechte gesichert haben. Sie übertragen die Top-Begegnungen des Spieltages. Die Fans des Basketballteams Detroit Pistons sehen ihre Mannschaft bei NBC, wenn ein Top-Spiel ansteht. Aber wenn es keine Spitzen-Begegnung ist, läuft es bei einem Lokalsender.

Woher hat der Lokalsender die Rechte ?

Vom Sportverein. Denn die Mannschaften besitzen die Rechte an den Spielen, die nicht landesweit übertragen werden. Diese verkaufen sie an lokale Stationen - zum Preis, der ihnen geboten wird. Wer schlecht spielt und auf einem kleinen Markt agiert, verdient natürlich weniger. Die Einnahmen aus den nationalen Rechten, die von der Liga vermarktet werden, werden gleichberechtigt unter den Vereinen aufgeteilt.

Und womit verdienen die Sender?

Mit Werbung natürlich. Beim Super-Bowl fließt das meiste Geld - das ist ein Gesellschaftsereignis. Beim letzten Mal mussten Firmen 1,3 Millionen Dollar für 30 Sekunden Werbung berappen. Trotzdem sind alle Plätze ein Jahr im Voraus ausgebucht. Inzwischen ist der Super-Bowl auch ein Ereignis der Werbebranche. Viele Firmen starten da ihre Werbekampagnen, und danach wird in der Presse nicht nur das Spiel ausgewertet, sondern auch die Qualität der Werbespots.

Gibt es Sport im amerikanischen Pay-TV?

Ja, die kleine Nischensportarten verkaufen sich vorrangig im Bezahlfernsehen. Wer Badminton sehen will, muss extra bezahlen. Die einzige wichtige Sportart, die im Pay-TV läuft, ist Boxen. Ich selbst habe mir das Duell zwischen Tyson und Holyfield angesehen.

Was haben Sie bezahlt?

39 Dollar 95. Es hat sich nicht gelohnt, weil schon nach wenigen Minuten Schluss war. Tyson hatte Holyfield das Ohr abgebissen.

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