Wirtschaft : Sport-Übertragungsrechte: Die Top-Agenturen

Ingo Wolff

Wer im Sportrechtehandel erfolgreich agieren will, muss international handeln. So sind auch alle größeren Sportmarktingagenturen Global Player, denn Sport ist grenzüberschreitend. Nationale Kampagnen wirken nur noch bedingt. Die Rechte der zuschauerträchtigen Sportarten sind daher auch konzentriert auf wenige Agenturen.

ISL worldwide

Als Horst Dassler, Sohn des Adidas-Firmengründers Adi Dassler, 1982 ISL ins Leben rief, hatte er die Synergieeffekte zwischen seinem Sportartikelhersteller und großen Sportveranstaltungen vor Augen. Schon in den 70er Jahren erkannte Dassler, dass gut vermarkteter Sport die beste Werbung für sein Unternehmen darstellt. Zusätzlich wollte er seinen Einfluss auf die Sportverbände und das Internationale Olympische Komitee vergrößern. Von seinen hervoragenden Kontakte in die Führungsebenen des Sports profitiert das Schweizer Unternehmen als Teil der ISMM-Group noch heute. Die Sportmedien- und Marketingagentur betreut die beiden größten Weltsportverbände Fifa (Fußball) und IAAF (Leichtathletik) und handelt in deren Namen zum Beispiel die Rechte für die Welt- und Europameisterschaften aus. Zudem betreut ISL den Basketball-Weltverband Fiba sowie deren europäischen Klubwettbewerb Suproleague (mit Alba Berlin), die ATP-Tour im Tennis und die US-amerikanische Cart-Serie, die demnächst mit ihren Autorennen als Konkurrenz zur Formel 1 nach Europa kommt. Mit seiner Diversifikation von der Fernsehproduktion über Lizensierung von Fanartikeln bis zur Sponsorenbetreuung ist die ISMM-Group wohl der umfassendste Anbieter im Sportmarkting.

International Management Group (IMG)

Als Mark McCormack 1960 die Internationale Management Group gründete, war an eine umfassende Vermarktung des Sports mit Millionensummen noch nicht zu denken. Der Profisport an sich und der Handel mit Sportrechten aller Art steckte noch in den Kinderschuhen. Vielleicht war es ja McCormacks Weitblick, zur damaligen Zeit die ersten Profisportler bei IMG unter Vertrag zu nehmen. Jedenfalls hat sich der Pionier des Personensponsoring durch seine lange gewachsenen Kontakte zu vielen berühmten Athleten heute ein Imperium aus Sportrechten vor allem bei den ehemals elitären Sportarten aufgebaut und nennt sich selbst weltgrößte Sportmarktingagentur. McCormack, in Fachkreisen wegen seiner harten Verhandlungsstrategie nur "Mark the shark" genannt, betreut den Internationalen Automobilsportverband (FIA), den Internationalen Ski-Verband und den Internationalen Tennis-Verband, hält zum Beispiel die Rechte beim Tennisturnier in Wimbledon und für die Tour de France. Die deutsche Niederlassung betreut unter anderem die Vierschanzenturnier.

Ufa Sports

Die Hamburger Vermarktungs- und Rechteagentur Ufa Sports profitiert noch heute von ihrer legendären Vergangenheit. Entstanden aus der Ufa-Filmproduktion wurde das Unternehmen von Bertelsmann nach dem Krieg wiederaufgebaut und gehört heute zur RTL Group. Damit hat die Agentur bei der Fernsehvermarktung einen strategischen Vorteil, den Ufa-Sports zum Beispiel durch die TV-Verknüpfung mit RTL im Fußball nutzt. Sie ist direkter Partner einiger Bundesligavereine wie beim Hamburger SV und Hertha BSC. Zum Portfolio der Sportrechte gehört außerdem die Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft und -Weltmeisterschaft, die Champions-League-Qualifikation und der Uefa-Cup. Derzeit weitet das Unternehmen seinen Markt nach Osteuropa aus. Seit Saisonbeginn vermarktet die Ufa auch den Rennstall von Alain Prost und hat sich damit ein erstes Standbein in der Formel 1 gesichert.

T.E.A.M. AG

Die schweizerische Television Event And Media Markerting AG (T.E.A.M.) vermarktet für den europäischen Fußballverband Uefa die TV- und Werberechte an der Champions League und am Uefa-Cup-Endspiel. Damit ist das Portfolio des Luzerner Unternehmens zwar eng begrenzt, aber überaus wertvoll.

Sport A

Die Münchner Agentur ist einer der Newcomer in der Szene. Sport A hat die weltweiten Rechte an den Heimspielen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und am DFB-Pokal sowie an einigen Bundesliga-Klubs. Sport A wurde von der ARD und dem ZDF ausgegründet und hat damit eine ideale Plattform für die Präsentation der Rechte. Nebenbei hat sich Sport A auch die Rechte einiger Leichtathletikveranstaltungen und an der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft gesichert.

Sportwelt

Der Vermarkter Sportwelt gehört zu den jungen Unternehmen am Markt und nimmt eher noch eine Außenseiter-Rolle ein. Bisher agiert das Düsseldorfer Unternehmen im unterklassigen Fußballbereich mit Rechten schwächerer Mannschaften. Doch das Unternehmen setzt auf einen strategischen Vorteil. Die Kinowelt ist 100-prozentiger Gesellschafter und bietet mit der Kinowerbung eine bisher wenig beachtete Werbeform. Nimmt man die mögliche Aufhebung der Zentralvermarktung der Fußball-Bundesliga hinzu, könnte durch die Investition in zweitklassige Mannschaften (bei deren Aufstieg in die Oberklasse) eine hochwertiges Portfolio entstehen.

Hintergrund:
Sport im TV - Das Milliardengeschäft

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