Wirtschaft : Sportartikel-Hersteller: Aktionäre brauchen einen langen Atem

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Den 27. Februar werden die Inhaber von Nike-Aktien wohl nicht so schnell vergessen: Um 15 Prozent brach der Kurs des weltgrößten Sportartikel-Konzerns ein, nachdem die Amerikaner eine Gewinnwarnung veröffentlicht hatten. Die Papiere des Branchenzweiten Adidas-Salomon AG zogen prompt nach und verloren mehr als fünf Prozent. Bis heute haben sich die Kurse von dem Schock nicht mehr erholt. Besonders ärgerlich für Adidas-Aktionäre: Ein Teil des Gewinneinbruchs bei Nike geht auf hausgemachte Probleme bei der Einführung einer neuen Software zurück und hat nichts mit einer befürchteten Marktschwäche zu tun. Dennoch: Nike hat in den USA auch lange nicht so viele Turnschuhe verkauft wie zuvor versprochen.

Drei Streifen sind in den USA out

Nicht viel besser ging es Adidas-Salomon: In Amerika griffen die Sportler seltener zu den drei Streifen als erwartet. Das Ergebnis fiel im ersten Quartal 2001 "überraschend schlecht aus", so Philip Bonhoeffer, Analyst bei Merck Finck & Co. "Adidas-Salomon hat mit seinen Schuhen massive Probleme in den USA", betont der Münchener Banker. Adidas-Chef Herbert Hainer brachte es vor einigen Wochen selbst auf den Punkt: "Die Marke Adidas ist in den USA out." Doch ohne USA, das weiß auch Hainer, ist in der Branche kein Erfolg möglich. Trotz der "Achillesferse USA", wie Uwe Weinreich es nennt, ist der Analyst der Bankgesellschaft Berlin optimistisch, dass Adidas die selbst gesetzten Ziele erreicht. Die Übernahmen von Salomon und Taylor Made "machen sich langsam bezahlt", ist der Banker überzeugt.

Adidas will den Umsatz im laufenden Jahr um drei bis fünf Prozent steigern, der Gewinn soll um 15 Prozent klettern. Im ersten Quartal legte der Umsatz um drei Prozent zu, das Ergebnis vor Steuern brach allerdings um neun Prozent ein. Von Januar bis März stagnierten die Umsätze der Marke Adidas, das Golf-Label Taylor Made verkaufte sich jedoch um 23 Prozent besser als im Vorjahr. Auch die Schi- und Inline-Marke Salomon setzte sieben Prozent mehr ab. Beide Marken waren in den vergangenen Jahren die größten Sorgenkinder des Adidas Managements.

Hervorragende Zahlen bei Puma

Besser als die Großen zeigen sich derzeit Firmen der zweiten Reihe. Deutschlands zweitgrößter Sportartikel-Hersteller Puma AG hat nach Ansicht von Hypo-Vereinsbank-Analyst Reck "hervorragende Zahlen" präsentiert und glänze durch eine "deutlich überdurchschnittliche Wachstumsrate". Für ihn ist Puma ein "Outperformer".

Im Gegensatz zum US-Wettbewerber Nike hat Reebok im ersten Quartal 2001 deutlich zugelegt und den Gewinn um ein Viertel gesteigert. Die Nummer zwei auf dem US-Markt ist bei Anlegern beliebt: Binnen Jahresfrist kletterte der Kurs von 15 auf zuletzt rund 27 Dollar.

Verglichen mit den Converse-Aktionären können aber auch die anderen Anteilseigner zufrieden sein. Vor einigen Tagen hat das Converse-Management den Verkauf fast aller Vermögenswerte des bankrotten Unternehmens abgeschlossen. Der gute Name ging in neue Hände über, die Aktionäre gehen leer aus.

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