Wirtschaft : Sporthändler klagen über „emotionslose“ Verbraucher

Preisdruck und Konsumflaute machen der Branche zu schaffen / Weltgrößte Sportartikelmesse Ispo in München

Nicole Adolph

München - Trotz sportlicher Großereignisse wie der Fußball-Europameisterschaft und der Olympischen Spiele steckt die deutsche Sportartikel-Branche in einer tiefen Krise. Zwar hat die EM in Portugal eine starke Nachfrage nach Fußballartikeln ausgelöst. Doch Rabattschlachten und Preisdruck machen dem Handel schwer zu schaffen. „Noch nie zuvor wurde so rational und emotionslos konsumiert, einziges emotionales Hoch ist oftmals ausschließlich der Preis“, sagte Harald Ostermeir vom Einkaufsverband Sport 2000 Deutschland am Sonntag zur Eröffnung der Sportartikel-Messe Ispo. So befürchtet der Verband Deutscher Sportfachhandel (VDS) für 2004 den dritten Umsatzrückgang in Folge. „Es wird schwer sein, die Ergebnisse des vergangenen Jahres zu erreichen“, sagt VDS-Präsident Werner Haizmann. 2003 setzte der Sportfachhandel 7,1 Milliarden Euro um.

Das bisherige Geschäftsjahr 2004 ist nicht gut gelaufen: Bis Mai sei der Umsatz der 2500 heimischen Fachhändler bei fast allen Produktgruppen gesunken, so Haizmann. Dabei werden die Deutschen laut einer Studie des Bundesverbands der Deutschen Sportartikelindustrie (BSI) immer sportlicher: Inzwischen treiben gut zwei Drittel aller Bundesbürger Sport, vor zehn Jahren war es nur etwa die Hälfte. Dass die Deutschen trotzdem an der Sportausrüstung sparen, liegt nach Ansicht der Branchenexperten am Trend zum Geiz. „Es gilt als clever, etwas billiger zu erstehen“, sagt Haizmann.

Die unsichere wirtschaftliche Lage werde zu weiteren Geschäftsaufgaben im Handel und zu Konzentrationen in der Industrie führen, prognostiziert Siegfried Paßreiter vom BSI. Erst kürzlich hatte der US-Skihersteller K2 den deutschen Produzenten Völkl und dessen Tochterfirma Marker übernommen.

Grund zum Feiern haben nur die Fußballartikel-Hersteller. Sie verzeichnen wegen der Europameisterschaft hohe Zuwachsraten. Der Puma-Konzern, der es mit der Ausrüstung der tschechischen Mannschaft bis ins Halbfinale geschafft hat, erwartet für 2004 ein zweistelliges Umsatzplus im Fußballgeschäft. Adidas – Ausstatter von Otto Rehhagels Griechen – kündigte für 2004 einen neuen Rekordumsatz an. Dank der EM werde der Fußball-Umsatz von 800 auf 850 Millionen Euro steigen. Zur EM verkaufte Adidas eine Million Fußballschuhe, 1,3 Millionen Trikots und sechs Millionen Exemplare des EM-Spielballs „Roteiro“.

Optimistisch sind auch die Anbieter von Outdoor-Bekleidung. Sie setzen vor allem auf „Nordic Fitness“, den Lauftrend mit Stöcken. Schon über eine Million Deutsche treiben diesen Sport. Nach Einschätzung von Karstadt werden es bis 2006 2,4 Millionen sein. Dazu sollen noch „Nordic Skating“ und im Winter die Langlauf-Variante „Nordic Cruising“ kommen. Stockhersteller wie Komperdell, Exel und Leki hoffen jetzt auf einen stark steigenden Absatz. „Mit Nordic Fitness haben wir die Chance, langfristig einen Mega-Trend zu entwickeln“, sagt Ispo-Chef Peter Knoll. Die weltgrößte Sportartikelmesse Ispo dauert drei Tage. 1211 Aussteller aus 40 Ländern erwarten in München rund 25000 Fachbesucher.

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