Wirtschaft : Sprachliche Hürden

Ausländer, die nach dem MBA in Deutschland bleiben, brauchen exzellente Sprachkenntnisse. Warum das so wichtig ist.

Melanie Hofmann
Gar nicht so international. In mittelständischen Firmen wird überwiegend deutsch gesprochen. Erschwerend kommt hinzu, dass der MBA–Abschluss (Master of Business Administration) noch weitgehend unbekannt ist. Doch mit Kreativität und klaren Vorstellungen gelingt der Jobeinstieg – nach dem Sprachkurs. Foto: dpa
Gar nicht so international. In mittelständischen Firmen wird überwiegend deutsch gesprochen. Erschwerend kommt hinzu, dass der...Foto: picture-alliance/ dpa

Jedes Mal hat es Jijo John Peter nicht zu dem doch eigentlich so wichtigen Deutschkurs geschafft. Das MBA-Studium an der HHL – Leipzig Graduate School of Management ist anstrengend, Freizeit hat er ohnehin nur wenig. Und Peter konnte sich schon ganz gut auf Deutsch verständigen , als er nach Deutschland kam. Er hatte zuvor am Goethe-Institut im indischen Bangalore die Sprache gelernt. Doch er wusste, dass die Jobsuche in Deutschland so schwieriger werden könnte.

Wie Peter lernen viele internationale Studenten in den praxisnahen Management-Programmen mit dem Abschluss „Master of Business Administration“ (MBA) an deutschen Wirtschaftshochschulen. Und wie er wollen viele nach dem MBA zunächst einmal in Deutschland bleiben, an der Gisma in Hannover etwa sind es jährlich zwischen 30 und 40 Prozent der ausländischen Studenten.

Als stärkste Ökonomie Europas ist das Land für viele attraktiv und lockt damit auch gezielt MBA-Studenten an. Doch die Jobsuche ist nicht leicht – auch weil der Abschluss MBA gerade beim Mittelstand, der in Deutschland immerhin 80 Prozent der Arbeitnehmer beschäftigt, noch immer weitgehend unbekannt ist. Wer aus dem Ausland kommt, hat aber noch eine viel größere Hürde: die Sprache.

„Wir weisen die Studenten von Anfang an stark darauf hin, wie wichtig es ist, die deutsche Sprache zu lernen, wenn man hier einen Job finden möchte“, sagt Melanie Petersen, Leiterin des Karriereservices an der HHL. Die bietet daher, wie viele andere Wirtschaftshochschulen in Deutschland, am Wochenende oder abends Deutsch-Kurse an – freiwillig und in der ohnehin knapp gehaltenen Freizeit. Interesse haben daran nur einige – obwohl im Schnitt 80 bis 90 Prozent der Absolventen aus dem Ausland in Deutschland bleiben.

Nebenbei Deutsch zu lernen – das ist leichter gesagt als getan. Das hat auch Teresa Mariscal erfahren. Die 31-jährige Spanierin hat im vergangenen Jahr ihren MBA an der ESMT in Berlin gemacht – und zumindest versucht, parallel die Sprache zu lernen. „Es ist toll, dass es die Möglichkeit gibt, aber Deutsch ist eine Sprache, die man nur schwer nebenbei lernen kann“, sagt sie. Ihre Sprachkenntnisse sind daher nicht so gut, dass sie mit Muttersprachlern um Jobs konkurrieren konnte.

Sie hat dennoch beim Versicherer Allianz in München einen Job gefunden. Weil sie dort im internationalen Geschäftsbereich arbeitet, ist die Sprache nicht so wichtig. Doch Mariscal weiß, dass ihr Arbeitgeber eine Ausnahme ist: Viele deutsche Firmen gäben zwar an, international tätig zu sein, suchten aber doch nach Mitarbeitern, die Deutsch sprechen, sagt die Spanierin. Das kann auch Anette Tronnier, Geschäftsführerin der Gisma bestätigen. Vielen Absolventen würde das aber erst bewusst, wenn sie sich bewerben.

Jijo John Peter hat sein Pflichtpraktikum während des Studiums bei der Deutschen Bank gemacht, dort schließlich einen Job angeboten bekommen und ihn angenommen. „Dass ich Deutsch spreche, war sicher ein Vorteil, aber es war keine Voraussetzung“, sagt Peter, der bei der Bank vor allem an internationalen Projekten arbeitet.

„Leute, die sich bemühen, die kreativ sind und sich Gedanken machen, wo sie genau hinwollen, die finden auch einen Job – egal, ob sie deutsche oder internationale Absolventen sind“, sagt Karrierehelferin Petersen. Trotzdem beobachtet sie, dass internationale Absolventen es etwas schwerer haben als deutsche. Oft brauchten sie zwei bis drei Monate länger, um den passenden Job zu finden. Doch da sieht Gisma-Chefin Tronnier ein weiteres Problem. „Viele Studenten opfern für eine MBA-Ausbildung sprichwörtlich ihr letztes Hemd“, sagt sie. Die Lebenshaltungskosten in Deutschland seien verhältnismäßig hoch und nach dem Studium reiche das Ersparte selten aus, noch Monate nach dem Abschluss ohne Job über die Runden zu kommen.

Wirtschaftshochschulen und ihre internationalen Studenten setzen darauf, dass der Wert des MBA in Deutschland endlich stärker erkannt wird und die Absolventen gefragter werden. Der Jahrgang der Spanierin Mariscal lässt hoffen: Von 38 Absolventen arbeiten 19 in deutschen Unternehmen – 17 von ihnen kommen aus dem Ausland. (HB)

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