Wirtschaft : Springer erreicht Rekordergebnis Konjunktur zieht an– mehr Stellenanzeigen

Ulrike Simon

Berlin – Die Axel Springer AG hat im Geschäftsjahr 2004 das höchste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte erzielt. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen stieg auf 335,8 Millionen Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 120 Millionen Euro oder 55,9 Prozent. Der Umsatz erhöhte sich um 2,5 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss liegt mit 148 Millionen Euro nur eine Million unter dem bisher höchsten in der Springer-Geschichte. Die Rendite vor Steuern und Abschreibungen betrug 14 Prozent. Allerdings sind dabei die Vergleichszahlungen aus dem Insolvenzverfahren mit Leo Kirch in Höhe von 60,3 Millionen Euro berücksichtigt. Ohne diesen Sondereffekt beläuft sich die Rendite auf 10,1 Prozent. „Damit haben wir schon jetzt den Wert erreicht, den ich in der Vergangenheit als Zielrendite für jene Jahre genannt hatte, in denen das wirtschaftliche Umfeld sich wieder deutlich verbessert hat“, sagte Vorstandschef Mathias Döpfner bei der Präsentation der Bilanz am Mittwoch in Berlin.

2004 hatte sich das wirtschaftliche Umfeld noch nicht verbessert. Doch schon im Januar und Februar dieses Jahres seien die Erlöse im Stellenmarktgeschäft, einem wichtigen Vorboten für Veränderungen, im hohen einstelligen Bereich gestiegen, sagte Döpfner. Er sei daher überzeugt, dass sich die Konjunktur spätestens 2006 deutlich erholen werde. Die politischen Reformen, die Bundestagswahl und die Fußball-WM würden die Entwicklung begünstigen. „Die Zeit der Anzeigenzurückhaltung ist vorbei“, sagte Döpfner. Er zeigte sich zuversichtlich, dass Springer das Ergebnis 2005 weiter verbessern werde.

Das Aufeinandertreffen mit den Aktionären bei der Hauptversammlung am 20. April dürfte freundlich verlaufen. An sie soll pro Aktie eine Dividende in Höhe von erneut 1,20 Euro ausgeschüttet werden. Zusätzlich erhalten sie pro Aktie 25 Cent aus der Vergleichszahlung von Kirch.

Zu aktuellen Meldungen, Springer strebe bei der Sendergruppe ProSieben Sat 1 eine strategische Erhöhung des Zwölf-Prozent-Anteils an und plane,mit der schwedischen Metro-Gruppe eine Gratiszeitung herauszugeben, äußerte sich Döpfner zurückhaltend. Für das Fernsehen gelte weiterhin: Entweder Springer verkauft und investiert den Gewinn ins Printgeschäft, oder Springer erhöht den Anteil auf eine strategische Größe. Über Gratiszeitungen sagte Döpfner: „Wir haben absolut kein Interesse an Gratiszeitungen und tun alles, um sie zu verhindern.“ Zeige sich, dass sich Gratiszeitungen in Deutschland nicht verhindern lassen, „werden wir nicht tatenlos zusehen, sondern eine aktive Rolle spielen.“ Dazu, ob es für dieses Szenario bereits eineVerständigung mit der Metro-Gruppe in Form eines „Letter of Intent“ gibt, äußerte sich Döpfner „unabhängig vom Wahrheitsgehalt“ nicht.

Zu den größten Errungenschaften gehöre es für ihn, „dass wir so schnell wieder handlungsfähig wurden“, sagte Döpfner mit Blick auf insgesamt 24 neu gegründete Titel im In- und Ausland und einem finanziellen Spielraum, der Investitionen und Zukäufe ermögliche – nicht jedoch um des Prestiges willen. „Profitables Wachstum heißt die Devise.“

Drei „Megatrends“ habe die Branche laut Döpfner zu bewältigen: neben der „zunehmend um sich greifenden Gratiskultur“ seien dies die alternde Gesellschaft und der Auflagenrückgang. Bei der Frage der alternden Gesellschaft müssten die Werbekunden lernen umzudenken. Vor allem sei es an den Verlagen, überzeugende Zeitschriftenkonzepte vorzulegen. Bislang ist dies auch Springer nicht gelungen.

Auf Anfrage kritisierte Döpfner den Entwurf von Rot-Grün für ein neues Kartellgesetz mit den Worten: Das sei zwar „besser als gar nichts“. Doch leider sei der Entwurf nicht weitgehend genug. Ihm wohne „eine ordnungspolitische Logik inne“ und wahre vor allem die Stellung des Kartellamts.

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