Wirtschaft : Springer fühlt sich fit

Verlagskonzern sieht sich für den Kauf von ProSiebenSat1 „bestens vorbereitet“/Erträge steigen

Ulrike Simon

Berlin - Die Axel Springer AG hat ihr Ergebnis von Januar bis Ende Juni dieses Jahres erneut verbessert und fühlt sich für die geplante Übernahme von ProSiebenSat1 „bestens vorbereitet“. Bereinigt um Sondereffekte – dazu gehören Zahlungen aus dem Vergleich mit der Kirch- Gruppe – stieg das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) um 13,7 Prozent auf 173 Millionen Euro. Der Gewinn erhöhte sich um fast 49 Prozent auf 101 Millionen Euro. Das leichte Umsatzwachstum auf 1,2 Milliarden Euro verdankt Springer ausschließlich dem Auslandsgeschäft, dessen Anteil 16,5 Prozent beträgt.

Der Konzern habe den Ertrag gegen den Markttrend erhöht und die Finanzposition weiter verbessert, teilte Vorstandschef Mathias Döpfner mit Blick auf die Ebita-Rendite von 14,5 Prozent (Vorjahr: 12,9) mit. Die Halbjahreszahlen veröffentlichte der Konzern am Freitag schriftlich. Eine Pressekonferenz gab es nicht. Dies sei wegen zeitlicher Probleme eine Ausnahme, hieß es auf Anfrage.

Vor zwei Wochen hat Springer die Übernahme der Münchner Fernsehgruppe ProSieben Sat1 bekannt gegeben. Sie steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigungen durch die Kartellbehörde in Bonn und die Medienaufsicht KEK in Potsdam. Die Anträge sind mittlerweile dort eingegangen und werden derzeit geprüft. Mit den Entscheidungen ist bis Ende des Jahres zu rechnen.

Springer finanziert die Übernahme mit Bankkrediten in Höhe von drei Milliarden Euro. Davon werden 2,5 Milliarden Euro an die bisherigen Investoren um Haim Saban ausbezahlt. Auf gut 500 Millionen belaufen sich die Schulden, die Springer übernehmen muss. Der börsennotierte Konzern erwägt zudem eine Kapitalerhöhung. Bis zu 1,2 Millionen Euro erhalten die Vorzugsaktionäre von ProSiebenSat1, falls sie von dem Angebot Gebrauch machen, Springer die Aktien zum Stückpreis von 14,11 Euro zu verkaufen. Aktionäre, die dies ablehnen, können ihre Wertpapiere umtauschen gegen stimmrechtslose Aktien an der neuen, mit der Fernsehgruppe fusionierten Axel Springer AG. Außerdem erwägt Springer den Verkauf von Immobilien. Dazu gehört das Zeitschriftenhaus in der Hamburger ABC-Straße, dessen Verkauf nach Informationen dieser Zeitung kurz bevorsteht und einen Erlös von weniger als zehn Millionen Euro einbringen dürfte. Untergebracht sind dort unter anderem die Redaktionen von „Funk Uhr“ und „Hörzu“. Springer-Sprecherin Edda Fels bestätigte die Verhandlungen. „Eine Notwendigkeit zum Verkauf von Immobilien besteht jedoch nicht“, sagte sie.

Der Cashflow des Medienunternehmens erweise sich mit jetzt 131 (Vorjahr: 95) Millionen Euro als stark und stabil, teilte Springer mit. Dies hat nach Angaben Döpfners dazu beigetragen, dass die Nettoliquidität des Medienunternehmens zum 30.Juni auf 239 Millionen Euro stieg. Zu diesem Stichtag verfügte der Konzern über Finanzmittel in Höhe von 511 Millionen Euro. Damit habe sich „unsere Finanzposition weiter verbessert“, sagte Döpfner. Im Print-Kerngeschäft zahle sich die Strategie einer „schrittweisen Profitabilisierung neuer Objekte aus“. Verlustbringer wie „Allegra“ und „Journal für die Frau“ sind eingestellt beziehungsweise verkauft. Im Gegenzug sinken die Anlaufverluste von neuen Titeln. So durchbrach die Programmzeitschrift „TV Digital“ erstmals die Hürde von 1,5 Millionen verkauften Exemplaren. Auch die monatliche Frauenzeitschrift „Jolie“ erreichte mit durchschnittlich 379000 die höchste Auflage seit Bestehen. „Fakt“, mit mehr als 500000 verkauften Blättern Marktführer bei den polnischen Zeitungen, habe sowohl bei Vertriebs- als auch bei Anzeigenerlösen zugelegt. Für das Gesamtjahr prognostiziert die Axel Springer AG einen leichten Umsatzanstieg und ein Ebita-Ergebnis, das über dem Vorjahreswert liegen soll.

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