Wirtschaft : Springer gibt der WAZ keine Chance

Verlag schreibt wieder schwarze Zahlen und hält feindliche Übernahme von Kirchs Aktienpaket für unrealistisch

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Berlin (mot). Der Axel Springer Verlag rechnet nicht mit einem Einstieg der Essener WAZ-Gruppe in den Zeitungskonzern. Der Versuch, 40 Prozent der Springer-Aktien von Leo Kirch feindlich zu übernehmen und damit Einfluss auf den Verlag zu bekommen, gleiche dem Versuch, „in der Wüste von Namibia Eisbären zu schießen“, sagte Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner am Mittwoch in Berlin. An den Spekulationen über die Aussichten für einen Verkauf der vinkulierten nsaktien (siehe Lexikon, Seite 18) Kirchs wollte sich Döpfner nicht beteiligen. Der Springer-Chef präsentierte am Mittwoch eine positive Zwischenbilanz. Nach dem 2001 eingeleiteten Sparkurs schreibt Springer trotz sinkender Umsätze wieder schwarze Zahlen und rechnet auch im Gesamtjahr mit einem positiven Ergebnis.

Von einer Mobilisierung der Springer-Zeitungen, die ausführlich über das Interesse der WAZ an Springer berichtet hatten, könne keine Rede sein, sagte Döpfner in einer Telefonkonferenz. Es wäre vielmehr unnatürlich gewesen, wenn die Chefredakteure der „Bild“ oder „Welt“ nicht über das Thema berichtet hätten, sagte Döpfner. Ein WAZ-Sprecher bezeichnete Berichte, wonach die Essener Mediengruppe mit Kirch bereits über einen Kaufpreis zwischen 800 Millionen und einer Milliarde Euro verhandele, als Spekulationen ohne vernünftige Grundlage. Es gelte unverändert der am vergangenen Freitag bekanntgegebene Stand, wonach die WAZ-Gruppe ein Engagement prüfe. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Gespräche scheitern könnten, sei nach wie vor hoch.

„Kein Anlass zum Aufatmen“

Springer teilte mit, der Verlag habe im ersten Halbjahr nach „massiven Restrukturierungen in einem schwierigen Marktumfeld“ einen Überschuss nach Steuern und Abschreibungen von 72 Millionen Euro erzielt – 58 Millionen Euro mehr als im gleichen Zeitraum 2001. Während der Umsatz insgesamt um 60 Millionen Euro auf 1,37 Milliarden Euro sank und das Anzeigengeschäft um mehr als neun Prozent auf 528 Millionen Euro zurückging, kletterte das operative Ergebnis um acht Millionen Euro auf 42 Millionen Euro. Zu Gute kam dem Ergebnis eine Kostenersparnis von insgesamt 55 Millionen Euro in sechs Monaten. Mit rund 27 Millionen Euro ist davon allein die Hälfte auf einen geringeren Papieraufwand zurückzuführen. Hinzu kamen Sonderfaktoren, wie Grundstücksverkäufe sowie der Verkauf von 37 Prozent an der Online-Tochter Bild.de an T-Online sowie 50 Prozent des Immobilienportals Interactivemedia.

Der Erfolg des Sparkurses im ersten Halbjahr sei jedoch noch „kein Anlass zum Aufatmen“, betonte Döpfner. Im Branchenvergleich habe sich Springer zwar positiv entwickelt, „wir sind aber immer noch weit von der Ertragskraft entfernt, die wir haben wollen“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Vor allem bei den Tageszeitungen sei ein Ende der „Anzeigendepression“ noch nicht in Sicht. Der Umsatz im Zeitungsgeschäft sank im ersten Halbjahr insgesamt um 6,4 Prozent auf 703 Millionen Euro, wobei der Anzeigenumsatz um 11,3 Prozent auf 385 Millionen Euro einbrach.

Im Gesamtjahr 2002 könne Springer wieder ein positives Ergebnis erzielen, wenn es mit der Konjunktur und dem Werbemarkt nicht weiter bergab gehe. Ob wieder eine Dividende gezahlt werde, ließ Döpfner offen. Der bis Ende 2003 geplante Abbau von zehn Prozent der Stellen (1400 Arbeitsplätze) sei bereits zu 70 Prozent mit den betroffenen Mitarbeitern vereinbart und werde sich im kommenden Jahr deutlich auf das Ergebnis auswirken. 2001 war der Springer Verlag erstmals in seiner Geschichte in die roten Zahlen gerutscht und hatte ein Minus von 198 Millionen Euro ausgewiesen.

Optimistisch äußerte sich Döpfner zur Finanzkraft des Verlages. Sie reiche aus, um gegebenenfalls bei der insolventen Kirch-Media einzusteigen. Ob das Konsortium aus Bauer-, Springer- und Spiegel-Verlag sowie der Hypo-Vereinsbank ein verbindliches Angebot abgebe, hänge jedoch von den Konditionen ab. Ein Alleinverkauf der Sendergruppe ProSiebenSat1 käme Springer entgegen. Der Verlag könne aber „auch gut ohne Kirch-Media leben“ und sich auf sein Kerngeschäft mit Printmedien konzentrieren.

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