Wirtschaft : Springer greift die Post an

Medienkonzern übernimmt für 510 Millionen Euro Mehrheit an der Pin Group

Berlin - Der Medienkonzern Axel Springer wird größter Wettbewerber der Post im deutschen Briefgeschäft. Das Verlagshaus übernehme für mehr als eine halbe Milliarde Euro die Mehrheit an dem Briefdienstleister Pin Group, teilte Springer am Donnerstag mit. Pin ist der zweitgrößte Anbieter auf dem deutschen Markt. Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner verspricht sich von der Investition – es ist die größte seit dem Einstieg bei der türkischen Sendergruppe Dogan im November 2006 – eine starke Marktposition im künftig liberalisierten Postgeschäft. Der deutsche Postmarkt soll zum 1. Januar 2008 vollständig für den Wettbewerb freigegeben werden. Noch darf allein die Post Briefe bis zu 50 Gramm über die normale Zustellung befördern.

Springer stockt seine Beteiligung an der Pin Group von 23,5 auf 71,6 Prozent auf und kauft Anteile von den Mitgründern und -gesellschaftern WAZ-Mediengruppe, Rosalia AG und Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, in der auch der Tagesspiegel erscheint. Die Verkäufer bleiben nach Springer-Angaben ebenso wie die Verlagsgruppe Madsack Aktionäre und Kooperationspartner der Pin Group. WAZ und Holtzbrinck halten künftig je 5,6 Prozent, Rosalia 11,2 Prozent und Madsack weiter 5,9 Prozent.

„Wir planen keinen Ausstieg bei Pin", sagte ein WAZ-Sprecher. Gleiches gilt für Holtzbrinck. Doch erfordere der zunehmende harte Wettbewerb im Briefgeschäft klare Strukturen und eine starke, einheitliche Führung, begründete Jochen Gutbrod, stellvertretender Vorsitzender der Holtzbrinck-Geschäftsführung, die Veränderungen. Springer sei bereit gewesen, dafür einen guten Preis zu zahlen.

Weitere regionale Postzusteller sollen die Gruppe in Zukunft verstärken. So soll etwa durch den Einstieg der West Mail bei Pin der Anteil von Springer wieder auf 63,7 Prozent sinken. West Mail ist ein Joint Venture des Zeitungshauses Dumont Schauberg („Frankfurter Rundschau“), der Düsseldorfer Mediengruppe Rheinische Post und des Verlags W. Giradet sowie weiterer Partner.

Döpfner bezeichnete das Geschäftsfeld als „weitere starke Säule“ des Springer-Konzerns – neben dem Zeitungs-, Zeitschriften- und Onlinegeschäft. Mit Postdienstleistungen könnte Springer nach eigener Auskunft in Zukunft ein Drittel seines Umsatzes machen (2006: 2,37 Milliarden Euro). Wie andere Medienhäuser auch, versucht Springer, mit Umsätzen jenseits der klassischen Medienproduktion langsamer wachsende Werbe- und Vertriebserlöse auszugleichen.

Das deutsche Postgeschäft gilt als sehr rentabel und hat ein Volumen von 23 Milliarden Euro. Unternehmen wie Pin, die niederländische TNT, die Otto-Tochter Hermes oder der Deutsche Paketdienst hoffen auf steigende Marktanteile, wenn das Postmonopol fällt. Die Deutsche Post reagierte auf den Vorstoß Springers gelassen. Wenn das Verlagshaus so viel Geld ausgebe, zeige dies, wie zukunftsträchtig der Briefmarkt sei, sagte ein Sprecher. Der Jahresumsatz der Pin Group (168 Millionen Euro) entspreche gerade einmal mehreren Tagesumsätzen der Post.

Die 2005 gegründete Pin Group wolle 2008 die schwarzen Zahlen erreichen, sagte eine Springer-Sprecherin. 2006 sei das Ergebnis leicht negativ gewesen. 2007 soll der Umsatz auf 350 Millionen Euro steigen. Zur Ergebnisentwicklung macht Pin keine Angaben. Angepeilt wird aber ein Umsatz von 1,5 bis zwei Milliarden Euro im Jahr 2015.

Die Börse war nicht begeistert. Der Kurs der Springer-Aktie gab leicht um 0,4 Prozent nach. mot/agr, hps (HB)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben